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Konnichiwa Japan! Tempel, Hochhäuser, Sumoringer und ein Besuch im Onsen: Die faszinierende Welt Tokyos

Neuer Kontinent, neue Sprache, neue Kultur! Um ein völlig neues Kapitel im Reisetagebuch aufschlagen zu können, mussten wir uns erstmal in den Norden Amerikas begeben. Nach einem anstrengenden Nachtflug landeten wir in Dallas, wo die Sonne bereit fürs Gegenteil war. Nachdem sich eine Couch für die sechs Stunden Aufenthalt als wahres Goldstück erwiesen hatte, kratzen wir unsere letzten Dollar Münzen aus Panama für überteuertes Frühstück zusammen und schon gings weiter, diesmal über den wirklich großen Teich! In den folgenden 13 Stunden, in denen wir hoch über dem Pazifik flogen, wurden die Reiseführer ausgetauscht und „Lebwohl, Südamerika – Hallo, Asien!“ gesagt.

Das Ziel unserer großen Reise, Tokyo, begrüßte uns mit einem spannenden Kulturschock. Auf der dringenden Suche nach Schlaf passte uns am Flughafen direkt ein Fernsehteam ab, das versuchte, uns noch die ein oder andere intelligente Antwort auf ihre Fragen zu unseren touristischen Vorhaben in der Stadt zu entlocken. Etwas überfordert von Schriftzeichen, Zurückhaltung und zuvorkommendem, zivilisierten Verhalten ließen wir uns doch schnell in die japanische Sicherheit fallen und genossen die entspannte Fahrt in die Stadt. Wir machten uns direkt auf in den Stadtteil Kyodo, wo Edwina, die Schwester von Kathis Schwägerin, arbeitet und uns eine Unterkunft für die nächsten Tage vermittelte. Ziemlich erschöpft genossen wir im Restaurant von Edwinas Mann, Sanae, noch ein hervorragendes Abendessen im typisch japanischen Flair. 🙂


Unseren ersten Tag in Tokyo verbrachten wir erstmal hauptsächlich mit Schlafen, bevor wir uns im Supermarkt den ersten Herausforderungen des Tages stellten. Die Kühe auf dem Tetrapak verrieten uns dann glücklicherweise doch, wo Milchprodukte drinnen sind und durch den Schütteltest konnten wir sogar die Milch vom Joghurt unterscheiden! Stolz darauf, dass wir uns das gewollte Frühstück zusammengefunden hatten, wagten wir uns in die Innenstadt und konnten uns schon bei der U-Bahn Fahrt nicht satt sehen: Soviel Zurückhaltung und Rücksichtnahme hüllten uns selbst in dieser Millionenstadt in ein absolut neues Gefühl von Sicherheit und machten uns klar, wie so viele Menschen auf engstem Raum derart friedlich zusammenleben können. Zwischen den unendlichen Hochhäusern fühlten wir uns dann wie kleine Ameisen, deren Augen und Ohren von einem riesigen Werbebildschirm zum nächsten wanderten. Die Überquerung der berühmten Shibuya-Crossing glich mehr einer mehrspurigen Ameisenautobahn als -straße, wo wir uns mitten drinnen zwischen all den perfekt angezogenen Japanern eher underdressed fühlten. Die Faszination sollte noch weitergehen: Dank eines perfekten öffentlichen Transportsystems und einem hohen Elektroautoanteil beschränkt sich der Lärm in Tokyo auf Kleinstadtniveau und das ausgeklügelte Straßensystem lässt einen in Nebenstraßen ebenso fühlen. Wahrscheinlich würde ein Japaner aus Rücksicht auf seine Mitbürger auch nie auf die Idee kommen, dem öffentlichen Raum durch ein Auto so viel Platz wegzunehmen…

Am Abend tauchten wir mit Edwina und ihrer Familie noch weiter in das japanische Leben ein. Nachdem wir uns durch köstliche Spezialitäten des Landes gekostet hatten, lernten wir im Onsen die große Badekultur Japans kennen und entspannten uns in den heißen Quellen!


Was wäre ein Besuch in Tokyo ohne die Besichtigung eines Tempels! Zum Einstieg suchten wir uns deshalb den berühmtesten heraus und spazierten durch den beeindruckenden Yoyogi-Park bis zum Meji-Schrein, wo sich die Stadt von seiner traditionelle Seite zeigte. Statt eine hölzerne Gebetstafel mit neuen Worten zu bestücken, laßen wir uns lieber die vorhanden durch und konnten uns das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen. 🙂 Bevor es wieder hinaus in die moderne Konsumwelt ging, genossen wir die Ruhe im wunderschönen Park und schauten den fetten Kois im Teich zu. Selbst mitten im Yoyogi-Park konnte man die Liebe der Japaner zu Automaten erkennen, denn auch dort war es möglich, für ein paar Münzen eine Getränk aus dem Automaten zu holen.

Unser Weg führte uns weiter zum Kaiserpalast, wo der Tag leider sprichwörtlich ins Wasser fiel. Deshalb drehten wir dem riesigen Areal nach kurzer Zeit den Rücken zu und begaben uns in die Unterwelt Tokyos. Besonders an Regentagen ist es nämlich äußert angenehm, dass man teilweise kilometerlang von U-Bahn Station zu U-Bahn Station untertage gehen kann. Irgendwo bei der berühmten Einkaufsstraße Ginza war dann Schluss mit dem Marsch im Trockenen und so betraten wir den Sony Tower, wo wir das Neueste vom Neuen in der Technikwelt erkundeten.

Eine Attraktion wollten wir uns auch nicht entgehen lassen: Ein Sumoringertraining! Nach langem Suchen fanden wir auch einen Sumostall, bei dem das Zuschauen durch die Fenster auf der Straße möglich war. Also machten wir uns frühmorgens auf ans andere Ende der Innenstadt, wo sich schon eine Traube Menschen vor den Fenstern zu den halbnackten Kämpfern versammelt hatte. Ziemlich fasziniert darüber, dass an den Männern doch mehr Muskel als Fett dran ist, schauten wir zu wie sie ihr Training für die in einer Woche stattfindenden nationalen Meisterschaften abhielten.

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Das Sportprogramm komplettierten wir mit einer kurzen Fußreflexzonen“massage“ in einem Park und widmeten uns dann wieder dem Tempelprogramm im Ueno Park. Dort reihte sich wieder einige dieser Kulturstätte nebeneinander, die mit den Pagoden und Fischteichen wieder einmal ein perfektes Bild ergaben. Zum Abschluss des Tages marschierten wir durch die sauberen Straßen (uns das obwohl es in der ganzen Stadt anscheinend keine Mistkübel gibt) bis zu einem Friedhof und schlussendlich bis nach Akihabara, dem electro-town der Stadt. Dort interessierten uns allerdings weniger die zehnstöckigen Elektronikgeschäfte, sondern mehr die „Maids“, die an jeder Ecke versuchen, Kunden für ihre Maid Cafés zu lukrieren. Die Mädchen, die aussehen als wären sie direkt einem Manga entsprungen und definitiv das kindliche Ich in einem wecken, drückten uns dann aber leider Menüs in die Hand, deren Produkte unser Reisebudget weit überstiegen. So suchten wir uns eine Suppenküche, wo wir erschöpft und voller neuer Eindrücke den Tag beendeten!

Unser letzter Tag in Japan begann wieder im Morgengrauen, da Edwina und Sanae organisieren konnten, dass wir direkt bei einem Training in einem Sumostall zusehen konnten. Also waren wir um 6:30 in der Arena, die diesmal leider wirklich das Gefühl vermittelte, dass hier weniger Menschen als Rinder kämpften. In den nächsten drei Stunden konnten wir unstrukturiertes Training und trotz Sprachbarriere eine sehr herablassende Stimmung der älteren gegen die jungen Sumoringer beobachten. Im Gegensatz zum vorigen Tag wirkten die Männer auch weit weniger muskulär, sondern teilweise schwerst übergewichtig…

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Als letzter Punkt stand noch der berühmte Tsukiji Fischmarkt auf unserer Sightseeing Liste. Da das Sumotraining leider sehr lange dauerte, konnten wir zwar nur mehr durch die fast leeren Gänge spazieren, aber uns absolut vorstellen, was für ein Treiben hier frühmorgens herrscht. Riesige Fischköpfe, unendlich viele Kühlboxen und leere Wasserbecken säumten die Gänge durch die wir uns bewegten, während​ Fischgeruch mit jedem Atemzug in unsere Nase stieg. Nach einem kurzen Abstecher zum Gemüsemarkt, gönnten wir uns natürlich fangfrisches Sushi in einem der Lokale, die sich entlang des Marktes aneinander reihten.

Gerade einmal eingetaucht in die faszinierende Welt Japans, mussten wir am 12. Mai das Land leider schon wieder verlassen… Zum Abschluss schlenderten wir noch ein bisschen über die Ginza, genossen ein letztes Mal Onigiri und Schoko-Pandas und verabschiedeten uns von Edwina bevor es wieder zum Flughafen ging. Abermals stand ein langer Flug bevor, diesmal in den Süden Asiens.

Veröffentlicht in Japan

Lebendige Geschichte zwischen Meer, Bergen und Großstadt: Playa Costeño, Minca und Bogotá

Am letzten Tag im Monat April flog Kathi zurück in den Norden Kolumbiens, nach Santa Marta, um die Reisegruppe wieder zu komplettieren. Als äußerst gegensätzliches Bild zum Stadtleben präsentierte sich die Busfahrt, bei der die Einheimischen der Sierra Nevada in ihren auffälligen weißen Gewändern aus- und einstiegen. Am Playa Consteño hatten Björn und Thomas in einem der Hostels am Strand ihr Lager aufgeschlagen, um die harschen Wellen des karibischen Meeres mit ihren Surfbrettern zu bezwingen. Sobald die Sonne hinter den Palmen verschwunden war, erleuchtete das Lagerfeuer die Gesichter der Surfer und Karibikgenießer im gemütlichen Sitzkreis. Da wir den Tag der Arbeit am 1. Mai nicht frevelhaft feiern wollten, starteten Thomas und Björn mit einer morgendlichen Sporteinheit, wonach wir uns gemeinsam einen entspannten Tag am Strand erarbeiteten. Am Abend folgte dann noch ein Networking-Termin, bei dem wir mit Paz und Aviah aus Israel neben politischen Diskussion auch unseren hebräischen Wortschatz unter viel Gelächter erweiterten. 🙂

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Nach zwei Tagen verließen wir die Karibik endgültig und machten uns auf in die Berge, wo wir nach vielen Serpentinen im kleinen Bergdörfchen Minca landeten. Schnell war ein kleines Hostel bezogen, das direkt am Fluss lag und mit Babykatzen punkten konnte. Am Abend wartete für Kathi abermals ein schönes Wiedersehen mit einer Freundin, die sie auf Reisen kennengelernt hatte: Helen und ihr Freund Thomas waren zur Zeit ebenfalls in Kolumbien unterwegs. Beim gemütlichen Abendessen tauschten wir (Reise-)geschichten aus und genossen die entspannte Atmosphäre in Minca.

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Als Schokoliebhaber konnten wir uns einen Besuch der Finca „La Candelaria“ inklusive Kakao-Führung natürlich nicht entgehen lassen. Nachdem wir mit den Zwillings-Hühnereiern des Ortes gesättigt waren, wagten wir uns auf den Berg mit dem etwas beängstigend Namen „Serpiente“ (Schlange) und wurden glücklicherweise nicht mit der Sichtung von ebendiesem Tier, sondern umwerfenden Ausblicken belohnt. Auf der Finca, die eine biologische Landwirtschaft betreibt, erfuhren wir zuerst welche Sorten Kakao es gibt und wie beschwerlich es ist, die Bohnen auf dem steil abfallenden Gelände per Hand zu ernten. Pünktlich mit einem ordentlichen Regenguss versammelten wir uns drinnen, wo die frischen Kakaobohnen direkt zur Verkostung auf unseren Geschmacksnerven landeten. Dann folgte eine Demonstration des Fermentierungs-, Röst- und Mahlprozesses, die mit dem Zubereiten einer heißen Schokolade abgeschlossen wurde. Damit wir auch wirklich die volle Dosis Endorphine bekamen, bepinselte man auch noch unsere Gesichter mit einer Maske aus dem guten Stoff. Die Sonne tat draußen ihr übriges, um die Schokopartikel auf unserer Haut zu trocknen, während unsere Blicke über die tiefgrünen Hügel bis nach Santa Marta schweiften. Mit einem Rucksack voller essbarer Souvenirs marschierten wir weiter durch die üppige Vegetation bis zur Finca Mundo Nuevo, die uns mit bestem Essen aus dem eigenen Garten versorgte. Die angenehme Bergluft versorgte die Gehirne mit genug Sauerstoff für eine spannende Schachrunde bevor uns die Füße, vorbei an traditionellen Hütten der Einheimischen, wieder zurück nach Minca trugen.

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Am nächsten Tag stand eine größere Wanderung auf dem Plan, zu der die Besitzerin des Hostels, Shannon, mit uns gemeinsam aufbrach, um uns einen versteckten Wasserfall zu führen. Da diese Stätte als heilig gilt, nahmen wir am Weg noch eine Handvoll Lehm mit, der später für eine rituelle Waschung dienen sollte. Am Ziel trafen wir auch direkt auf einen Mann, der diesen Ort für seine Meditation nutze und nach einem spirituellen Ritus, das Essen der Götter – eine Kokosnuss – mit uns teilte. Nachdem wir ihn verabschiedet hatten, widmeten wir uns unserem Ritus, der wahrscheinlich eher weniger heilig als lustig war. 🙂

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Ohne Shannon, dafür aber mit unserem neuen Hund, den wir aus Mangel an Kreativität, Werner #2 nannten, wanderten wir durch Regen und Sonnenschein, bis zum Casa Elemento. Dort gönnten wir uns ein wohlverdientes Mittagessen und genossen die Pause in den „Riesenhängematten“, bevor wir mit Werner zum Mirador „Los Pinos“ aufbrachen. Auf dem Weg stolperten wir – mitten im Dschungel – in die Dreharbeiten einer Nespresso Werbung! 🙂 Am Ziel  wurden wir mit einem wunderschönen Ausblick bis nach Santa Marta belohnt. Die Berge der Sierra Nevada waren dafür leider in Wolken gehüllt. Ziemlich erschöpft erwanderten wir uns am Heimweg noch einen traumhaften Blick auf den Sonnenuntergang bevor wir in der Dunkelheit unsere letzten Schritte bis nach Minca taten, wo Werner #2 seine Wochenration an Hundefutter verputzte.

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Unser letzter Tag im kleinen Bergdorf sollte noch eine überaus beeindruckende Begegnung bereithalten. Da Shannon dabei war ein Kulturprojekt aufzubauen, bei dem Touristen die Möglichkeit haben, von den Einheimischen mehr über die Geschichte Kolumbiens zu erfahren, stellten wir uns bereitwillig als Versuchsreisende zur Verfügung und trafen uns mit dem weiblichen Part einer ansässigen Familie. Nach ein paar einführenden Worten erzählten uns die sympathischen Frauen von der schrecklichen und gewalterfüllten Herrschaft der FARC bzw. der (noch weit schlimmeren) Paramilitarios. Uns stockte bald der Atem, als die Mutter mit Tränen in den Augen von der Ermordung ihres Mannes berichtete. Überaus schockiert lauschten wir den Erzählungen über Ermordungen, Verschleppung und der Enteignung der Finca der Familie. Auch wenn danach die befreienderen Worte zu Friedensverträgen kamen, lag die Wut, Angst und Trauer über die erlebten Ereignisse, sowie den andauernden Kampf über die Rückgewinnung des Grundstückes deutlich in der Luft. Dass Kolumbien erst in den Kinderschuhen steckt, was Friedensverträge angeht, konnten wir dann auch direkt auf der Terrasse, wo das Gespräch stattfand, erfahren: Als die Frauen, die ohnehin das ganze Gespräch über sehr leise gesprochen und sich stets umgeschaut hatten, einen Mann neben uns entdeckten, der unauffällig dastand und auf sein Handy schaute, wechselten sie schlagartig das Thema und gaben uns eindeutig zu verstehen, dass wir in seiner Anwesenheit nicht über diese Dinge sprechen sollten. Als der besagte Mann die Terrasse verlassen hatte, bekamen wir als Antwort auf unsere Frage, was dieser Mensch denn machen würde, falls er mitbekäme worüber hier geredet wird, die unmissverständliche Aussage: „Cosas malas!“ (Schlechte Dinge). Ziemlich verunsichert bedankten wir uns für das beeindruckende Gespräch und verabschiedeten uns aus der bedrückenden Atmosphäre, die mit jeder weiteren Erzählung (von denen hoffentlich noch sehr viele folgen werden) definitiv ein Stück Befreiung erlangt.

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Danach machten wir uns wieder auf nach Santa Marta, wo wir am Flughafen zufällig Aviah wiedertrafen und mit ihr in die Hauptstadt Bogota flogen.

Am 6.5. – exakt ein halbes Jahr, nachdem wir in Nicaragua die ersten Schritte unserer Reise gegangen waren – ging unser Abenteuer Südamerika mit einem Tag in Bogota zu Ende: Am Weg in die Innenstadt zeigte sich vor allem Kathi schon ziemlich begeistert über Bogota, dank der sofort sichtbaren Radfreundlichkeit. 🙂 Dank der Free Walking Tour erlebten wir die Innenstadt im Schnelldurchlauf und wurden vor jedem Denkmal, jeder Kirche und auf jedem berühmten Platz mit wissenswerten und historischen Details gefüttert. Nach einer kleinen Pause im schönen Stadtteil La Candelaria gab uns der kolumbianische Chicha (eine Art Most-Getränk) wieder Energie für die weiteren kulturellen Stunden im Botero Museum und dem weltbekannten Museo del oro (Goldmuseum). Nach einem erlebnisreichen Tag machten wir uns ein letztes Mal in Südamerika auf zu unserem Hostel, wo wir unsere Rucksäcke für die große Weiterreise packten. Auch von Björn, der ein paar Stunden später heimwärts musste, hieß es an dieser Stelle leider Abschied nehmen. Mit einem lachenden, das sich auf neue Abenteuer freute, und einem melancholischen Auge, das die unglaublich schönen sechs Monate auf diesem Kontinent voller „Pura Vida“ revue passieren ließ, machten wir uns auf zum Flughafen uns sagten: Hasta luego colombia, hasta luego america central, ya nos veremos! Gracia por el tiempo marvillioso! (Bis bald, Kolumbien, bis bald, Zentralamerika, wir sehen uns bald wieder! Danke für die wunderschöne Zeit! 🙂

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Zwei Wienerinnen verliebt in den Paisa*-Style: Medellin aus allen Perspektiven

*“Paisa“ werden die Bewohner des Bundeslandes Antioquia genannt.

Auf gings, ab gings, 5 Tage Medellin! Da die kolumbianischen Distanzen und zwei Wochen Reisezeit in diesem großen Land nicht unbedingt zu Busreisen passten, stiegen wir an Cartagenas Flughafen in ein äußerst modernes Avianca Flugzeug, das uns direkt nach Medellin brachte. Die vor 15 Jahren noch gefährlichste Stadt der Welt, investiert heutzutage derart in Bildung und Entwicklung, dass sie sich zu einer der fortschrittlichsten Mittelamerikas gemausert hat. Diesen Eindruck gewonnen wir auch direkt bei unserer Ankunft im Viertel „Poblado“, wo sich zwischen Hostels und Bars auch noch abends eine Menge Leute tummelten.

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Unser erster Tag in Medellin startete zuerst natürlich mit dem Geschmack von Käse und Mais. Daraufhin sollten aber weniger vorhersagbare Begegnungen folgen, denn ein, mehr oder weniger zufälliges Treffen mit einer alten Reisebekanntschaft aus Kathi1′ Zeit in Chile, ließ uns die Welt wieder in Murmelgröße erscheinen. Danach stolperten wir direkt in eine ungeplante Kaffeeverkostung: Das Erdgeschoss unseres brandneuen und supertollen Hostels fungierte nämlich als Food court, der zwei Tage vor der Eröffnung stand und deren Kaffee- und Cocktailbar von drei unheimlich sympathischen Frauen gemanagt wurde. Direkt aus der Umgebung Medellins wussten sie den Kaffee von lokalen Bauern nicht nur wunderschön zu verpacken, sondern auch für Geschmack und Auge auf den Tisch zu bringen. Dazu gab es neben himmlischen Brownies und Croissants, Wissenswertes über den kolumbianischen Kaffee und ein nettes Gespräch über Land und Leute!

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Da wir doch noch eine Touristenattraktion für diesen Tag erkunden wollten, begaben wir uns mit den berühmten „Metro cable“, den Seilbahnen Medellins zum Parque Arvi. In einer halben Stunde, in der wir über teils sehr arme Viertel „flogen“, transportierte uns die Seilbahn von der Großstadt direkt in die Berge. Auf den einhergehenden Temperaturfall waren wir nicht unbedingt vorbereitet, weshalb wir nur auf einem kleinen Rundwanderweg die frische Höhenluft atmeten, bevor es wieder runter in die Millionenstadt ging, wo wir mitten in der Rushhour landeten. Völlig perplex beobachten wir die nicht enden wollenden Ströme von Menschen, die durch Sprints über die Stiegen noch irgendwie versuchen ein paar Plätze vor ihren Mitstreitern in den Schlangen bei den U-Bahn Zugängen zu landen.

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Medellins Geschichte wurden neben Pablo Escobar natürlich auch von den Kämpfen zwischen FARC und den Paramilitarios geprägt. Ein Viertel, das darunter besonders gelitten hatte und einst mit der höchsten Mordrate der Welt in den Schlagzeilen landete, ist heute für seine Graffitis und Freiluftrolltreppen bekannt. Da der Gang durch die engen Gässchen und über die endlosen Stufen dieses (an Geld) ärmere Viertel noch immer nicht ganz ungefährlich sein soll, erkundeten wir die Gegend mit einer Tour. Nach einem Arepa-Frühstück folgte eine Metro cable Fahrt inklusive Geschichte-Stunde, bei der wir erfuhren, dass die an den Hängen erbauten Häuser für Scharfschützen als perfekte Basis dienten, um Kämpfe, bei denen natürlich hauptsächlich die Zivilbevölkerung starb, auszutragen. Unser erster Stopp führte uns zum Haus von Socorro Mosquera, die als eine der vielen unbekannten Helden dieses Bürgerkrieges hervorging: Als eines Tages ihre Tochter bei einer Schießerei starb, trat sie aus dem Haus, schwenkte ein weißes Taschentuch und schrie „No mas, no mas!“ (Nicht mehr, nicht mehr!). Daraufhin wurden langsam die Waffen niedergelegt und ein erster Schritt in Richtung Frieden war getan. Leider folgte jedoch durch die staatlich angeordnete Operation Orion mit dem Ziel die Guerillas zu vertreiben, wieder der Einzug von Gewalt und Morden. Wer mehr dazu lesen möchte, findet hier sehr interessante Zeilen: http://www.zeit.de/2003/34/Kolumbien Erfolgreiche Friedensverträge tragen mittlerweile dazu bei, dass der Bürgerkrieg aus dem Labyrinth an verwinkelten Wegen der Comuna 13 zwar verschwunden ist, die Armut und Gewalt jedoch blieb. Seit 10 Jahren versuchen die Bewohner nun mit Graffitis und street art ihrem Viertel ein neues Gesicht und damit dem Frieden eine neue Chance zu geben. Auch die 2012 erbauten Freiluftrolltreppen machen es nicht nur den Bewohnern leichter die Höhen in ihrem Stadtteil, in dem die Grundstückspreise wohl nach der Lichtzugänglichkeit gestaffelt sind, zu überwinden, sondern locken auch Touristen an. Beeindruckt von der bewegenden Geschichte beendeten wir die Tour mit einem typischen, geschmacklich wieder einmal gewöhnungsbedürftigen Mangoeis mit Limetten-Salz Dip.
Mit der modernen Metro, die der Paisas ganzer Stolz ist, ging es weiter in Medellins vielfältiger Sightseeing-Liste. Nach einer kurzen Besichtigung des „Kulturpalastes“ begaben wir uns zum Plaza Botero, wo die gewichtigen Bronzefiguren des gleichnamige Künstler uns zum Schmunzeln brachten.

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Bevor es für Kathi2 nach erlebnisreichen Wochen wieder heimwärts ging, schauten wir uns die Stadt noch aus der Vogelperspektive an. Mit einem Paragleitflug flogen wir aus der Komfortzone heraus und in den Wind vom Vorort San Felix hinein, hoch hinaus mit Blick auf die Berge Antioquias. Beim Ausfüllen unserer Blutgruppe wurde uns zwar ein bisschen mulmig, aber so schnell konnten wir gar nicht schauen, da hatten wir unseren Helm auf und schwebten mit unserem Piloten über Medellin. Ein einmaliger Erlebnistag endete mit einem leckeren Abendessen, bei dem wir auf unsere schöne gemeinsame Zeit anstießen! 🙂

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Viva Colombia! Karibikfeeling von Capurgana bis Cartagena

„Kolumbien, es war der Hammer!“ summte so oft in unseren Ohren, dass wir die Erwartungen äußert hoch ansetzten und schon in Capurgana nicht enttäuscht wurden. Während Thomas als einziger dem Ruf seines Körpers nach einem Ruhetag folgte, zog es Björn und die beiden Kathis wieder raus aufs Meer, diesmal zum Tauchen. Nach einer kleinen Einführung in der Tauchschule schnallte sich unsere äußerst herzliche Tauchlehrerin – glücklicherweise nicht zur Verteidigung, sondern um Meerestiere von Plastik und verhedderten Fischerleinen zu befreien – noch schnell ein Messer ums Bein und los gings entlang der wunderschönen Küste. Am Strand mit dem leckeren Namen „Aguacate“ (Avocado) musste Björn noch kurz durchs kleine 1×1 der Tauchlehre, bevor wir ab- und die Luftblasen auftauchen. Wiedereinmal begeistert von der Unterwasserwelt bewegten wir uns vorbei an wunderschönen Korallen und versuchten Langusten, die sich im Riff versteckten, zu erspähen.

Mit zwei Tauchgängen war auch bei den beiden Kathis die Luft und Energie raus, weswegen sie sich statt einer Wanderroute ein mögliches untypisch kolumbianisches Frühstückslokal suchten. Schlussendlich mussten sie sich doch dem omnipräsenten säuerlichen Käse beugen, der sich auch im süßesten Schokocroissant befand… Währenddessen erwanderten sich Thomas und Björn einen fantastischen Blick auf das Grenzörtchen Sapzurro. Schnellen Reiseschrittes bzw. Botes ging es direkt weiter entlang der Küste nach Acandi. Dort erhofften wir uns einen Blick auf die Riesenschildkröten, die gerade im April nachts an den Strand kommen, um ihre Eier abzulegen, erhaschen zu können. Der Ort wartete mit einer authentischen Atmosphäre auf, da wir die einzigen Touristen weit und breit waren und die offensichtlich unoffensichtlich gemachten Handyfotos von uns auch darauf schließen ließen, dass sich hierher eher selten Reisende verirren. Der nächtliche Ausflug zum Strand bescherte uns neben einem unbeschreiblichen Sternenhimmel auch ein eher mulmiges Gefühl, weshalb wir, erfolglos, bald wieder den Heimweg antraten.


Unsere letzte Bootsfahrt durch karibisches Wasser brachte uns nach Necocli, wo wir wieder auf den Busverkehr umsteigen mussten. Acht lange Stunden und eine Erkenntnis, dass unser Distanzdenken für Kolumbien eine andere Dimension annehmen musste, später, landeten wir in Cartagena im Luxus eines Boutique-Hotelzimmers. 🙂 Nach einer ausgiebigen Nachtruhe erkundeten wir das Castillo San Felipe, welches direkt vor der Altstadt beeindruckend thronte. Schnell ergriffen wir jedoch die Flucht vor der unerbärmlichen Sonne, hinein ins Tunnelsystem der Burg und anschließend ins klimatisierte Einkaufszentrum, wo Kathi1 für Thomas noch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk erstehen konnte.


Cartagenas schöne Altstadt trumphte besonders in der Abendstimmung mit einem mediterranen Charme auf, der einen sofort in die zauberhaften Gässchen lockte. Wie im Bilderbuch reihte sich ein Kolonialgebäude an das nächste, im Kampf um die Frage, wer denn den schöneren Balkon zu bieten hätte. Nachdem uns die mitreißenden Rhytmen einer kolumbianischen Tanzgruppe eingeheizt hatten, fanden wir in einem schönen Hinterhof bestes Essen, um unseren letzten gemeinsamen Abend zu feiern.

Am nächsten Tag sollten unsere Routen nämlich ganz brav geschlechtergetrennt weitergehen. Den Vormittag verbrachten Thomas und die Kathis noch mit einem Spaziergang durch die Altstadt, während die straffe Reiseplanung schlussendlich auch Björn auf den Magen schlug und ihm einen Tag im Bett auferlegte. Danach hieß es Abschiednehmen für die Mädels, die sich auf zum Flughafen machten, um ihren Weg nach Medellin anzutreten.

Vier Landratten auf einem Segeltörn durchs Paradies – über die San Blas Inseln nach Kolumbien

Nach vier Wochen Erkundungstour durch Panama machten wir uns am 15. April wieder auf nach Panama City, um dort unsere Reisegruppe wieder zu vergrößern. Nicht nur mit Kathi2, die auch dem Ruf des Surfbrettes in Las Lajas nicht wiederstehen konnte, gab es ein schönes Wiedersehen, sondern auch ein weiterer Besucher aus der Heimat war im Anflug! So machten wir uns wieder einmal auf zum Flughafen, wo diesmal Björn freudig in Empfang genommen wurde. 🙂 Auch für ihn galt erstmal Pulli und Jacke ausziehen, bevor es in die Hitze der Stadt ging.

Für Björn gab es keine Schonfrist und so starteten wir am nächsten Tag zu viert direkt in Richtung Abenteuer Segeltörn. Ganz im Sinne von slow travel extreme planten wir noch einen Stopp im Dschungel, kurz vor Eintritt ins autonome Gebiet der Kuna Yala, nahe dem aus einer Kreuzung bestehendem Ort „El Llano“. Schon die Chickenbusse, die in diese Richtung fuhren, gaben uns einen guten Vorgeschmack auf das bevorstehende Erlebnis auf der herausgesuchten „Eco Lodge“. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens auf eine Mitfahrgelegenheit, nahmen uns glücklicherweise die Besitzer für die letzten, steil bergauf gehenden, 11 Kilometer mit. Während beide Kathis im Inneren des Wagens mitfahren durften, mussten die Männer auf der Ladefläche bei nicht wirklich angepasstem Fahrstil zittern. Erstaunlicherweise kamen wir alle heil am Ziel an, wo sich unsere, im Auto entstande Vermutung, das „Eco“ wiedermal für das Abschwören des Putzens steht, bestätigte. Die Tierwelt schien das überaus zu freuen, denn Riesenspinnen, -falter, -frösche und jegliches andere große und kleine Getier fühlte sich hier pudelwohl. Aber auch die Lebewesen auf zwei Beinen, von denen viele dort mehrere Wochen verbrachten, störte das Fett am Ofen, das eine geschätzte Verweildauer von 3 Jahren hatte, offensichtlich nicht sonderlich. Am Abend wurde, wie es in einer Kommune natürlich üblich ist, gemeinsam gekocht und danach die Stimmungslage beeinflusst. Ein Tag, der sich wie eine Seite im Roman „Drop city“ in unseren Reisetagebüchern liest, ging in unserer Cabaña mit Blick auf den Dschungel beim Packen unserer Rucksäcke für vier Tage Schiffsleben zu Ende.

Am nächsten Tag ging es mit der nächsten abenteuerlichen Jeep-Fahrt weiter: Die kurvenreiche Rennstrecke führte uns durch den Checkpoint für die autonome Region Kuna Yala und weiter bis zum Hafen von Carti. Dort begrüßte uns der karibische Regen und machte die zuvor gekauften Müllsäcke aka Regencover für unsere Rucksäcke bezahlt. Wir verließen den festen Boden unter unseren Füßen und wurden mit einem kleinen Boot zu unserer Unterkunft, der African Queen, für die nächsten vier Tage gebracht. Kapitän Rudi und seine Crew, bestehend aus seiner Partnerin Jamile und Daniel, dessen Jungfernfahrt auch noch bevorstand, hießen uns willkommen an Board, zeigten uns die Kojen und erklärten uns die do’s and don’ts des Seemannslebens. In den Hängematten hatten es sich schon unsere Mitreisenden, die wir liebevoll Tick, Trick und Track nannen bequem gemacht. Mit 10 Mann an Board hieß es also „Leinen los!“ und los ging es in die Wellen des Archipels von San Blas. Von den 365 Inseln, die manchmal in ein paar Schritten umrundet werden können, sind nur ein paar bewohnt. Dafür ist die Besiedlungsdichte dort dann ziemlich erdrückend… Wir steuerten als erstes eine kleine unbewohnte Insel an, deren Palmengruppen direkt aus dem Hollywood Studio kamen! Völlig perplex von der Einsamkeit, dem kristallklaren Wasser, dem weißen Sand und der wunderschönen Natur, bewunderten wir zuerst sprachlos die Szenerie bevor wir ins Wasser sprangen, um es uns danach auf dem weißen Sand bequem zu machen.


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Mit dem Erklingen des Muschlhorns lockte uns Rudi wieder an Board, wo wir fantastisches Essen serviert bekamen. Danach wurde der Anker wieder eingeholt und die nächste Insel angesteuert. Auch wenn sich hier das Mittagsprogramm wiederholte wurde es definitiv nicht langweilig. Mit jeder Stunde, die die Sonne weiter auf die andere Seite der Erde wanderte, wurden Rudis weinerfüllte Lacher lauter und die Stimmung ausgelassener. Unsere abendlichen Angelversuche entpuppten sich leider als weniger erfolgreich… Zwei Fische landeten jedoch trotzdem am Haken und wurden sogleich, unter schallendem Gelächter, mit einem Schluck Abuelo Rum ins Jenseits befördert. Da in Entenhausen offensichtlich eher weniger in (soziale) Bildung investiert wurde, blieben die horizonterweiternden Gespräche zwar unter uns, dafür wurde uns aber genug Gesprächsstoff geliefert. Zur Nacht begaben wir uns in unsere Kojen bzw. aufs Außendeck und wurden von den Wellen in den Schlaf geschaukelt.

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Von der Sonne geweckt, die Palmen und das Meer im Blick, starteten wir mit einem ausgedehnten Frühstück in den Tag. Ganz ohne Abenteuer sollten wir unseren Übernachtungsplatz dann nicht verlassen, denn als nächster Punkt stand für Kathi2 „Überraschendes Schwimmen mit Meeresbewohnern“ auf dem Plan. Aus Elternschutzgründen können Details dazu aber nur bei Kathi2 erfragt werden… Mit ein bisschen mehr Respekt vor dem Meer und dem Wissen, dass Rudis Geschichten doch einen höheren Wahrheitsgehalt als angenommen haben, schipperten wir weiter zu einem Riff, das wunderschöne Korallen beherbergte. Durch die Schnorchelbrille wurden aber auch Riffhaie und bunte Fische gesichtet. Am Abend zog dann leider ein heftiges tropisches Gewitter auf, dass uns alle unter Deck zwang und uns vor den himmelerleuchtenden Blitzen und dem ohrenbetäubenden Donner erschaudern ließ. Der nächste Morgen präsentierte uns dafür eine spiegelglatte See, als hätte es nie auch nur einen Windhauch gegeben.

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So vergingen unsere Tage wie im Fluge! Wenn uns die Seekrankheit nicht gerade dazu zwang mit geschlossenen Augen flach am Deck zu liegen, träumte wir in der Hängematte von Robinson Crusoe und vom Leben im Paradies, in dem einem Kokosnüsse und Langusten direkt von Fischern in den traditionellen Einbaumbooten an Deck gebracht werden. Dass dieses Paradies auch seine Schattenseiten hat, lernten wir beim Besuch eines Kuna-Dorfes kennen. Wenn Tourismus bei indigenen Völkern eher das Gefühl eines Zoobesuches vermittelt, wird einem wieder bewusst, dass man mit jedem Fußstapfen, den man auf neues Land setzt, auch eine Veränderung und damit Verantwortung mitbringt. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf betrachteten wir die interessante Lebenswelt der Kuna als möglichst stille Beobachter.

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Unsere Reise in Panama und auf der African Queen endete in Puerto Obaldia, wo wir in einem kleinen Verschlag an der Hauptstraße des winzigen Ortes unsere Ausreisestempel holten, bevor wir uns von Rudi, Jamile und Daniel verabschiedeten und mit einem Motorboot die letzten 20 Minuten zum kleinen kolumbianischen Örtchen Capurgana zurück legten. Ganz froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, suchten wir uns ein kleines Hostel und stellten uns in die lange Schlange vor der Einreisebehörde. Da vor uns Leute standen, die auf Grund von ständigen Stromausfällen schon den dritten Tag auf einen Stempel hofften, wurden wir glücklich überrascht, als wir kurz vor Sonnenuntergang​ dann doch noch legal im Lande waren. Bei einer leuchtend schönen Abendstimmung stießen wir auf einen gelungen Segeltörn und eine schöne Zeit in Panama an.


Tanzende Wellen, erbebende Erde und eine Geburtstagsfeier – Boquete, Playa Morillo und eine Rückkehr nach Santa Catalina

Der nächste Punkt auf der Touristenroute durch Panama war mit Boquete wieder in den Bergen angesiedelt und versprach unter anderem den schönsten Wanderweg Zentralamerikas. Also ließen wir unsere Rucksäcke wieder auf drei verschiedene Minibusdächer schnallen und waren nach einer vierten Chickenbusfahrt auch endlich in einem Ort angekommen, der die starke Präsenz der indigenen Bevölkerung in Panama erkennen ließ. Die einheimischen​ Ngöbe Frauen zauberten nämlich mit ihren wunderschönen Nagua Kleidern, die in den verschiedensten Farben satt leuchteten, ein sehr buntes Bild in die Straßen.

Leider schlug zuerst die Weiterreise beiden Kathis auf den Magen und dann machte uns auch noch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. So verbrachten wir die ersten zwei Tage im Hostel oder bei einem kurzen Spaziergang durch die Stadt. Langweilig wurde uns trotzdem nicht: Am 02.04. um 18.54, gerade als wir im Supermarkt Milch und Haferflocken fürs Frühstück zusammensuchten, erbebte die Erde unter unseren Füßen mit einer Stärke von 5,2 auf der Richter Skala. Als plötzlich das ganze Gebäude wackelte und uns Getränkedosen, Ölflaschen und Joghurtbecher aus den Regalen entgegenflogen, hielt uns die Schockstarre kurz gefangen bevor wir uns schnellstens hinaus bewegten. Nach ein paar Minuten hatten wir den ersten Schock überwunden und erholten uns zuhause bei einem kleinen Nachbeben. Außerdem konnten wir wieder unserer Doppelkopf Leidenschaft fröhnen, denn in Lisa hatten wir nicht nur eine supernette Gesellschaft für die nächsten​ Tage, sondern auch eine vierte Mitspielerin gefunden.


Unsere erste Wanderung in Boquete führte uns auf den berühmten Weg „Los Quetzales“, der den Namen nicht umsonst tragen sollte. Wir wollten uns die Gelegenheit, diese, selten gesehenen Vögel vor die Augen zu bekommen natürlich nicht entgehen lassen und machten uns mit dem Bus auf zur Rangerstation. Kurz davor hieß es für uns aber „Aussteigen bitte!“, da riesige Felsbrocken, die durch das Erdbeben auf der Straße gelandet waren, den Weg versperrten. Am Eingang begrüßte uns Carlos, den man mit seiner Oberkörperfreiheit und Goldkette eher für einen Mafiosi statt einen Nationalpark-Ranger gehalten hätte, und erklärte uns nicht nur den Weg, sondern auch, dass wir die Tour auf den Vulkan Baru bei diesem wolkenverhangenen Wetter wohl eher vergessen könnten. Wir machten uns frohen Schrittes auf, im Hinterkopf immer den Ruf des Quetzales, den Thomas nach einer Stunde auch prompt vernahm! Der leuchtende Vogel, ein Quetzal Weibchen, saß in einem Ast und blickt auf uns hinunter und direkt in die Kamera. Erfreut über diese seltene Sichtung starrten wir minutenlang auf das Tier bevor wir uns weiter machten auf dem, vor allem für zentralamerikanische Verhältnisse, gut beschilderten und Sicherheitsvorkehrungen entsprechenden Weg. Er führte uns durch traumhaften Regenwald bis zu einem Aussichtspunkt, der uns einen schönen Blick auf den Vulkan Baru bescherte, bevor – rechtzeitig fürs Foto – die Wolken aufzogen und wir unseren Heimweg antraten.

Das vielfältige Programm in Boquete setzte sich mit einer Geburtstagsfeier fort: Thomas startete seinen Ehrentag mit einem großen Frühstück, dessen Zutaten am Markt in der Stadt geholt wurden. Zu unserem Erstaunen konnten wir dort neben echter deutscher Bratwurst auch Leberwurstaufstrich, Roggenbrot und Ziegenkäse erstehen und dem Geburtstagskind einen gebührenden und ausgedehnten Start in den Tag bescheren.

Nach dem heimischen Start in den Tag spazierten wir zum Erlebnispark „El Explorador“, wo wir einen Fantasiegarten entdeckten, der jede Menge weiser Sprüche zu bieten hatte. Auf den Riesenschaukeln konnte man sich zu Klängen des Donauwalzers oder Wagners wie Alice ins Wunderland schwingen und den Ausblick auf den Vulkan Baru genießen. Anschließend durften wir noch die Frucht des Cashewbaumes kosten, den Bonsaigarten bewundert und wurden schlussendlich noch vom freundlichen Besitzer nachhause gefahren.

Der Müll, den du auf die Straße wirfst, spricht nicht, aber sagt viel über dich aus.

Du entscheidest

Traurig ist es, zu lieben und nicht geliebt zu werden, aber wirklich schlimm ist es auf Diät zu sein während einer Grillerei.
Dinge an die man sich erinnert, sind die, die man mit dem Herzen gemacht hat.
Die glückliche Biene

Die Miene des Glaubens​

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Zwischen drei Organisationstagen, die wir für diverse Flug- und Schiffsbuchungen bzw. Reiseplanung benötigten, schnupperten wir noch ein letztes Mal Wanderluft beim Besuch der „Hidden Waterfalls“. Diese waren zwar nicht ganz so versteckt, aber trotzdem wunderschön zum Verweilen und Genießen der schönen Berglandschaftes Boquetes.

Nach einer Woche im Hochland hieß es für uns zwei wieder „auf zu neuen Surf-Ufern“, während Kathi2 noch ein paar Tages im Westen des Landes verbrachte. Mit viel Glück schafften wir es gerade in den letzten Bus nach Playa Morillo, der uns davor rettete, die Nacht im unschönen Santiago verbringen zu müssen. Je weniger die Sonnenstrahlen zu sehen waren, desto dünner wurde auch die Besiedelung und bald trennte uns nur noch ein Fußmarsch über eine Sandstraße zum einzigen Gebäude, das es weit und breit am Strand gab. Glücklicherweise leuchtete uns der Vollmond den Weg in ein Paradies, das wir erst am nächsten Morgen wirklich erblicken konnten. Direkt vor unserer Haustüre breitete sich ein menschenleerer Strand vor dem Meer aus, das eine Handvoll Surfer und Einsamkeitsgenießer ins Hostel zog. Natürlich wollten wir uns von dieser unentdeckte Welle auch tragen lassen, stellten jedoch aber schon bald fest, das wir die Bretter wohl eher stehen lassen würden. Nachdem der Blicktest und drei Warnungen vor starken Strömungen nicht unbedingt wie das Gelbe vom Ei klangen, trugen zwei gebrochene Surfbretter zum endgültigen Rückzug in den Trockenbereich bei…

So zogen wir nach einem Tag und unverrichteter Surf-Dinge wieder ab und machten uns mit Carl aus Irland auf den Weg zurück nach Santa Catalina. 🙂 Ein allerletztes Mal mussten wir den Busbahnhof in Santiago beehren, bevor wir wieder im Surf-Paradies waren, wo wir diesmal aber in der Stadt unterkamen. Unsere Tage verbrachten wir hauptsächlich im Wasser, nachdem unsere erste Einheiten der 20-minütige Marsch bei Sonnenaufgang zum Meer war. Mit Sonnenuntergang ging es wieder nachhause, wo wir, gemeinsam mit Carl, die Abende mit dem Austausch von Surferfahrungen und Reisegeschichten verbrachten.


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Von großen Wandertouren, schönen Stränden und faszinierenden Tauchgängen: Santa Fe und Santa Catalina

Zum ‚Oh wie schön ist Panama‘ Programm gehörte natürlich auch ein Besuch im Regenwald und somit in den höheren Lagen des Landes. Deshalb wackelte uns der Bus zum Drehkreuz der Region, Santiago, dessen hektischem Busbahnhof wir gerne wieder den Rücken kehrten und uns weiter nach Santa Fe bringen ließen. Nach vier Busfahrten waren wir froh im kleinen Bergdorf, das uns mit einer angenehmen frischen Brise und mit einem Hund der uns bis zum Hostel brachte, begrüßte. In dem wunderschönen Garten, der uns alle – trotz unterschiedlicher Verwandtschaftslinien – an Omas Garten erinnerte, fiel jegliche Anspannung der langen Fahrt ab: Wir lauschten dem Vogelgezwitscher, ließen unseren Blick über den Regenwald schweifen und spürten den angenehmen kühlen Wind in den Haaren. Zum Abendessen lernten wir, dass die wichtigste Zutat in der panamanischen Küche wohl Frittierfett ist. Auf dem Teller mit lokalen Spezialitäten lag nämlich vom frittierten Fleisch über frittierte Kochbanane zu frittiertem Brot, alles was man sonst noch so ins Öl werfen kann. Naja, zumindest freute sich unser neuer treuer Hund über die Knochen. 🙂

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Da sich Thomas etwas kränklich fühlte, wollten wir uns mit einer kleinen Wanderung durch die Umgebung von Santa Fe und einem anschließenden Besuch bei einer Bio-Finca für den ersten Tag nicht zu viel zumuten. Schnell wurde auch klar, dass wir unserem Hund einen Namen geben musste, da er uns von Anfang an den ganzen Weg begleitete. Warum wir ihn „Werner Faymann“ nannten, bleibt unser kleines Geheimnis, aber soviel sei gesagt: Wir entschieden nach dem Charakter… 🙂 Die Wanderung verlief durch wunderschöne Dörfchen, deren Straßen mit Orangenbäume, Chillisträuchern und Bananenpalmen gesäumt waren. Dazu beeindruckte ein Ausblick in Wälder, die sich mit ihren unzähligen Grüntönen sanft und gleichzeitig gewaltig groß durch die Landschaft zogen. Während wir eher Angst vor Schlangen hatten, konnte Werner erst nach einem psychologisch-pädagogischen Konzept von Kathi2 und Thomas seine Angst vor Hängebrücken besiegen und so marschierten wir zu viert fröhlich weiter vorbei an einer Dorfkirche mit vier Kirchenbänken und Upcycling-Deko und palmenbedeckten Berghütten.

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Bei Maria und Chongs Bio-Finca begrüßte uns die Hausherrin gleich mit einem leckeren Essen, gemacht aus den Produkten, die auf ihrem Feld wuchsen bzw. herumliefen… Glücklicherweise wusste Maria ihre Beilagen auch ohne Frittierfett zuzubereiten, die dadurch umso besser schmeckten! Nachdem die leeren Bäuche gefüllt waren (Werner erfreute sich wieder einmal an den Knochen) zeigte uns Maria ihren Orchideengarten in dem sie, ohne den Begriff wahrscheinlich je gehört zu haben, das „zero waste“ Prinzip durch und durch verfolgte. Ihre, teilweise preisgekrönten Pflanzen wuchsen nämlich nicht nur in Töpfen, sondern auch im Toaster, Sparschwein, Rucksack, Flipflop und Tierschädel. Nebenbei erklärte sie uns auch, warum sie keine Chemikalien mehr im Garten verwendet und wie die Bauern in Santa Fe die starke Kooperative mit dem schönen Namen „La Esperanza de los Campesinos“ (Die Hoffnung der Bauern) gründeten. Zum Schluss gab es noch eine Kaffeetour, bei der sie uns zeigte wie man von der roten Kaffeefrucht zur wohlschmeckenden Kaffeebohne gelangt und uns ihren hausgerösteten Kaffee zur Verkostung reichte. Mit einem Päckchen Kaffee und und Bananenmarmelade machten wir uns mit Werner auf den Heimweg und packten für den nächsten Wandertag.

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Nachdem wir das Basislevel bezüglich Wanderungen in Santa Fe absolviert hatten, wollten wir den Nationalpark erkunden und entschieden uns für eine Tour zu dem Wasserfall „La Isleta“. Da Thomas noch nicht ganz fit und die Tour für acht Stunden angesetzt war, machte er sich einen entspannten Tag im Hostel, während Kathi1+2 mit  dem Guide Cesar aufbrachen. Auch Sebastian, der im gleichen Hostel wohnte, entschied sich spontan mitzugehen und so marschierten wir um 7:30 Uhr los, ausgestattet mit viel Wasser und – „zur Sicherheit, falls mal ein Ast im Weg ist“ – einer Machete. Schon nach kurzer Zeit führte uns Cesar hinter einem Bauernhäuschen mit trittsicheren Schritten einen etwas matschigen Pfad hinunter, welchen wir elegant nach unten rutschten und dabei noch irgendwie versuchten, unsere Schuhe nicht allzu dreckig zu machen. Trotz aller Mühe mussten wir dann doch schnell kleinbei geben, als wir merkten, dass der „muddy path“ zur Gänze aus – teilweise knöchelhohem – Schlamm bestand und so stapften wir mit dem schönen Geräusch, den ein Schuh sowohl beim Eintauchen wie auch Herausgezogen werden macht, durch den mystischen Regenwald. Glücklicherweise erkannte Cesar schnell unser Potential mit einem gekonnten move auf dem Hinterteil zu landen und schnitze so gleich äußert stabile (unentbehrliche) Wanderstecken für uns. Auch der Einsatz der Machete ließ nicht lange auf sich warten, denn bald versperrte uns der erste umgefallene Baum den Weg. Aber natürlich war Cesar dieser Herausforderung auch gewachsen und schlug uns mit ein paar gekonnten Hieben einen Durchgang. Die Matschstrecke verlangte uns zwar schon einiges ab, trotzdem verließ uns – vor allem den weiblichen Part der Truppe – der Humor nicht und auch die Bewunderung über die Vielfalt an Grüntönen und Lebenswelten der Bauern faszinierte uns immer wieder aufs neue. Besonders das letzte Haus, das wir auf unserer Strecke sahen, zwei Stunden Fußweg von der nächsten befahrbaren Straße und mit trocknenden Kaffeebohnen vor dem Eingang, versetzte uns in Staunen. Nach vier Stunden erwartete uns natürlich keine Mittagspause sondern der Start in den Crocodile Dundee Part des Tages: Die erste Flussüberquerung stand bevor. Da wir vor dem Start gefragt worden waren, ob wir zwecks trockenen Füßen Gummistiefel dabei hätten, beinhaltete unser Bild des Flusses eine Flusshöhe unter Gummistiefelhöhe. Die Realität glich aber eher dem Ende des Nichtschwimmerbereiches und so zogen wir nicht nur Schuhe, sondern auch Hosen aus und versuchten der Strömung Standzuhalten und dabei nicht auf den eisglatten Steinen auszurutschen. Letzteres gelang nicht zu hundert Prozent und machte Thomas‘ Investition in einen wasserdichten Rucksack wiedereinmal zur Rettung von Kamera und Co. Mit blauen Flecken, nasser Unterwäsche und der Zeitangabe „noch eine Stunde“ gings weiter den Fluss entlang, denn einen „Weg“ gab es schon lange nicht mehr. So hantelten wir uns – immer wieder mit Sebastians Hilfe –  von Stein zu Stein, wateten von Ufer zu Ufer und standen schlussendlich vor einem völlig verwachsenen Stück im tiefsten Dschungel, das ohne den unermüdlichen Einsatzes von Cesar (mit ca. 1,50 Metern zwar der kleinste, aber gleichzeitig wohl härteste der Truppe) und seiner Machete unüberwindbar gewesen wäre. Und dann – nachdem wir schon gar nicht mehr dran geglaubt hatten – war er da: Der Wasserfall! Eine freudvolle Mitteilung an Kathi2 ob der langersehnten Sichtung der Zieles, endete für Kathi1 mit einem harten Fall auf einen Stein, sehr zur Mitleidenschaft von Steißbein und Hand. Letztere konnte bei der wohlverdienten Pause im Flusswasser zwar gut gekühlt werden, ließ aber vermuten, dass wir nicht nur blaue Flecken, sondern auch Prellungen mit nach Hause nehmen würden. Nach einer halben Stunde am Fluss, in der wir den gesamten Proviant verputzen und den kläglichen Versuch starteten unsere Socken und Schuhe zu trocknen, ging es wieder Richtung Santa Fe. Jeglicher Illusion und Vorsicht beraubt und allen Schmerzen zum Trotz kletterten wir schneller über die Steine, behiehlten Schuhe und Kleidung bei den Flussüberquerungen an und schlitterten gekonnt die Schlammpfade entlang, allem voran das Ziel „Zivilisation“! Während Kathi1s Schuh in den letzten Atemzügen lag, leuchtete auch für unsere Energiereserven das „Bitte tanken“ Schild. Kurz bevor wir endlich wieder befahrbare Straße betraten, trennten sich in einer schönen tiefen Gatschlacke Sohle und Schuh endgültig und sorgten den restlichen Weg für ein etwas ungleichmäßiges Gehgefühl. Nachdem wir noch gefühlte 100 Hügel überwunden hatten, lag es endlich vor uns: Unser Hostel! Sehr zur Belustigung/Verstörung der anderen Gäste brachen wir in glücklich-verzweifeltem Gelächter aus und lehnten uns völlig verausgabt auf unsere Wanderstecken aus Angst bei einmaligen Niedersetzen nie wieder aufstehen zu können. 🙂 Cesar verabschiedete sich von uns und zog leichtfüßig und unerschöpft von dannen, während wir direkt zur Dusche und anschließender Essensaufnahme schritten.

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Da die Batterien über Nacht noch nicht zur Gänze wieder aufgefüllt waren, entspannten wir noch einen Tag im wunderschönen Garten des Hostels und schlenderten durchs Dorf. Im kleinen Markt erstand Kathi2 noch einen echten Panamahut und war somit perfekt vorbereitet für unseren nächsten Stopp.

So ging es wieder nach Santiago, vorbei an hunderten Schülern, in ihren weißen Hemden und Blusen und blauen bzw. braunen Hosen und Röcken, und weiter nach Santa Catalina. Im letzten Minibus sang uns Robbie Williams mit „These are the days we won’t forget“, passend nicht nur für das was vor uns lag, sondern auch postwendend für die letzten paar Monate, in das kleine Örtchen am Meer. Um zu unserem Hostel zu kommen, mussten wir wiedereinmal durch einen Fluss. Da das natürlich kein Problem für uns darstellte, waren Gepäck und unsere ziemlich große Sammlung an „Essenssackerln“ schnell ans andere Ufer gehievt, wo uns das Paradies erwartete. Von unserer grünen Cabaña, vor der Reihenweise Mandelbäume und Kokosnusspalmen standen, war man, je nach Gezeit, zwischen 30 Sekunden und einer Minute im Meer. Natürlich hatte Santa Catalina auch wieder Wellen zu bieten, die das Surferherz höher schlagen ließen und so paddelte der unverletzte Teil der Reisetruppe schnell in die Spielwiese aus Wasser.

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Mit Sonnenaufgang gings entweder auf die Bretter oder mit Martin, einem der Beschäftigten des Hostels, auf einen kleinen Spaziergang durch den angrenzenden Wald. Dort spazierten wir vorbei an Pferden, Lebensbäumen oder solchen, die die Calabaza Frucht trugen vorbei, Richtung Fluss auf der Suche nach dem Königsfischer. Nach einer, für fast alle, erfolgreichen Sichtung des Vogels (und glücklicherweise nicht des Krokodils) gings zurück zum wohlverdienten Frühstück mit selbst „bezwungenen“ Kokosnüssen. Am Abend folgte Teil zwei des Kulinarikprogrammes: Gemeinsam mit unseren Nachbarn, die – sowie fast alle Touristen in Panama – aus Deutschland waren, rösteten wir selbst gepflückte Cashewnüsse im Lagerfeuer und verkosteten die nicht verkohlten anschließend. 🙂 Doch auch unsere Hauptmahlzeiten kreierten wir, selbst ohne Küche, ziemlich einfallsreich bzw. ließen uns im Dorf – nach teilweise aufwendigeren Flussüberquerungen – bestens mit Muscheln, Fisch und Oktupus bekochen.

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Als Highlight wartete auf uns zum Schluss auch noch eine Tauch- bzw. Schnorcheltour zum Nationalpark der Insel „Coiba“. Schon die Bootsfahrt führte uns vorbei an Inseln mit traumhaften einsamen Stränden. Während Kathi2 auf dem Pro-Tauchboot  anspruchsvollere Tauchspots ansteuerte, ging es für Thomas&Kathi1 erstmal zum Playa Coco, wo Thomas den Schnorchel aufsetzte und Kathi1 die Taucherjacke umlegte, um mit ihrer Tauchlehrerin drei essentielle Übungen für die nächsten drei Tauchgänge durchzugehen. Kurz darauf durfte auch sie eintauchen in eine faszinierende Welt, in der so viele Farben leuchten und die Tierwelt wie in einem lebendigen Kino an der Brille vorbeizieht, während man schwerelos im Wasser schwebt. Schildkröten, Riffhaie, Muränen, Kugelfische, Seesterne und große Fischschwärme waren dabei die Schauspieler des Tages. Während Thomas einen Adlerrochen sichtete, durfte Kathi2 mit Delfinen im Wasser auf Tuchfühlung gehen. Absolut begeistert berichteten wir von unseren Erlebnissen bei einer Mittagspause auf der Rangerstation von Coiba, bevor es zu unserem letzten Tauchgang und dann zurück aufs Festland ging. Als krönender Abschluss des Tages und unserer Zeit in Santa Catalina pfiff uns in der tiefstehenden Sonne nicht nur der Wind durch die Haare, sondern auch Delfine begleiteten uns hüpfend nachhause!

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Ein Thomas und zwei Kathis auf Entdeckungstour in Panama City und Playa Venao

An unserem ersten Tag in Panama City machten wir uns auf zum Flughafen. Glücklicherweise nicht um unseren Heimweg anzutreten, sondern um Besuch aus Wien abzuholen. Aufgeregt und voller Vorfreude auf Kathi, die uns ein Stück unserer Reise begleiten würde, stiegen wir in den Bus Richtung Tocuman Airport, dessen Abholbereich an diesem Tag einem Filmteam als Set diente. Die Wartezeit ging schnell vorüber: Während der Schauspieler zigmal mit einem verträumten Lächeln den Gang entlang schreiten musste, warteten andere Leute auf so hohen Besuch, wie den Führer der Galaxie… Wie lange er dort schon erwartet wird, wissen wir aber nicht 😀 Wir nahmen Kathi mit Freudentränen und langen Umarmungen in Empfang und führten sie vom österreichischen Winter direkt in die Mittagshitze von Panama City. Leider kamen dann zur Begrüßung auch noch heftige Regengüssen dazu und so verbrachten wir den Tag entspannt mit vielen Gesprächen und gutem Essen! Am Abend beeindruckte uns dann noch die erleuchtete Skyline, die vor der Promenade „Cinta Costera“ hoch in den Himmel ragte.

Dass in Panama City die Hälfte der Bevölkerung des ganzen Landes lebt, hat wohl auch mit den Arbeitsplätzen, die mit dem Panamakanal zusammenhängen zu tun. Dieses omnipräsente Bauwerk wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so machten wir uns mit dem Bus auf zu den Schleusen mit dem schönen Namen „Miraflores“. Schon vor dem Eingang zum Museum zeigte uns die Natur, was sich gerne im Brackwasser tummelt: Zwei Aligatoren breiteten sich auf der Sandbank neben einem Fluss aus! Auf der Besucherterrasse der Miraflores Schleusen ging es dann weniger wild zu. Nach einer geschichtlichen Einführung über den eigentlichen Bau und die gerade fertiggestellte Expansion, sahen wir draußen Schiffe vorüberziehen, in denen man sich wohl für Tage hätte verlaufen können… Einen Eindruck davon, wohin die ganzen Waren geliefert werden, bekamen wir am Rückweg in der Albrook Mall, die auch sehr gutes Potential zum Verlaufen lieferte!


Panama Citys Altstadt, Casco Viejo stand natürlich auch auf dem Sightseeing-Programm. Davor ging es aber zum Fischmarkt, der nach einem Streifzug vorbei an den ärmsten Vierteln der Stadt erst an der Frontseite sein Touristengesicht zeigte und fangfrisches Ceviche zu bieten hatte. Nicht nur Casco Viejos Architektur stellte einen großen Kontrast zum modernen Bankenviertel dar, auch die Ruhe, die sich zwischen den Kolonialhäusern und Kirchen ausbreitete, war äußert angenehm. Am Abend trafen wir uns noch mit Corinne und David, um den Ausblick von einer der lautesten Dachterrassen der Stadt zu „genießen“.

Nachdem Kathi2 (Um Verwirrungen zu vermeiden, nummerieren wir Vornamen nach dem Erscheinen. 😊) frisch von der Zivilisation kam, hörten Tomas&Kathi1 mit verfilzten Surferhaaren und strubbeligem Reisebart die Frisör-/Barbierscheren rufen. Und wo hätten wir uns hipstiger schön machen lassen können als in Panama City?! Also ließen wir erstmal einiges an Haaren fallen, um danach in ausgehtauglichster Reisebekleidung einen Abend bei den Reichen und Schönen zu verbringen. Im 62. Stock des Hardrock Hotels hatte man von der höchsten Rooftopbar der Stadt nicht nur einen faszinierenden Blick auf Panama City und die zufällig anwesenden Profitänzer, sondern auch einen, vor allem in den letzten Monaten, seltenen Einblick in die Welt der Banker und Viel(geld)verdiener.


Nach vier Tagen Großstadt sehnten wir uns nach weniger hektischer Umgebung und machten uns deshalb auf zum Meer. Nach einem kleinen Übernachtungsstopp in Las Tablas fanden wir in Playa Venao wiedermal ein Örtchen zum Seele baumeln lassen. Die Hängematten wurden direkt in Beschlag genommen und die Füße in den Sand gesteckt. Da Thomas&Kathi1 noch immer etwas mitgenommen von den costaricanischen Surfeinheiten waren, kam es uns eigentlich sehr recht, dass gerade kaum surfbare Wellen vorhanden und – paradoxerweise – zusätzlich zig Prosurfer, die am gerade stattfindenden Wettkampf teilnahmen, im Wasser waren. Dies sollte Kathi2 jedoch nicht davon abhalten, sich ihre ersten Surferfahrungen abzuholen und auch gleich auf beiden Füßen zum Strand zu fahren. 🙂


Da einen (und die Erde) die Sonne zu Mittag schon eher zu Grilltemperatur brutzelte, nutzen wir den in der Nähe gelegenen „Wasserfall“ für eine Abkühlung, zumindest bis zum Bauchnabel, um uns dann doch wieder im Schatten zu verstecken.


Am Abend zauberte entweder Kathi2 oder die Köchin eines fantastischen israelischen Restaurants leckerstes Essen auf den Tisch! Der schönste Abschluss des Tages stand mit einem Blick in den leuchtenden Sternenhimmel aber noch bevor. Danach sagten wir den Brüllaffen, die uns nachts mit ihren Rufen aus dem Schlaf rissen und den unzähligen Fröschen „Gute Nacht“ und freuten uns schon auf einen neuen Tag mit Sonne und Salzwasser auf unserer Haut.

Oh wie schön ist Panama: Ab in den Großstadtdschungel

Die Wäsche war zwar schon zweimal „zum letzten Mal vor Panama“ gewaschen worden, aber das Pura Vida hielt uns dann doch noch ein paar Tage in Pavones! Es fiel uns wirklich schwer aus dem kleinen Ort abzureisen und damit Abschied zu nehmen von Kristin, der entspannten Atmosphäre und den guten Surfbedingungen. Aber irgendwann konnte auch Thomas den lauten Ruf seiner Schultern nach einer Pause vom Paddeln nicht verleugnen und so packten wir unsere Rucksäcke endgültig. Ein letztes Mal beobachteten wir unsere Hauskatze beim sadistischen Fressspiel mit einem Salamander, ließen uns von den Wellen auf unseren Brettern bis zum Strand befördern und packten nach den Pancakes die Spielkarten aus.

© Greg James Thomson
© Greg James Thomson

Am 07.03., wieder einmal nach exakt zwei Monaten beendeten wir das Kapitel „Costa Rica“ in unserem Reisetagebuch. Wir sagten „Adios“ zu einem Land, das nicht nur mit traumhaft schöner Natur begeistert, sondern einem auch mit so freundlichen Menschen begegnet, das man gar nicht mehr weg möchte. Wenn aber danach eine Weiterreise nach Panama wartet, nimmt man den Abschied schon in Kauf. 😀 An der Grenze wurden noch die letzten Colones in Dollar getauscht und innerhalb einer halben Stunde saßen wir schon im Minibus nach David. Vorbei waren die Zeiten der entspannten Busreisen, ab jetzt heißt es wieder: Da passen noch 5 Leute rein. Trotz Regenwetters kühlte uns die Klimaanlage in die Eiszeit und entließ uns nach zwei Stunden in die heiße Asphaltwüste. Ein Hostel war schnell gefunden und die Preise im Restaurant erfreuten nicht nur unser Reisebudget, sondern ließen auch vermuten, dass die Tomatensoßen-Tage vorbei waren.

Nach wochenlangem Dorfleben stresste uns die Hektik, der Lärm und vor allem die unerträgliche Hitze der Großstadt zwar etwas, dafür aber genossen wir die Annehmlichkeiten wie Internetcafes und SUPERmärkte. Wobei letzteres uns doch eher überforderte… Da fühlten wir uns in der ruhigen Hostelküche, wo es sich das Haustier, der Nasenbär Coco, gemütlich gemacht hatte, schon ein bisschen wohler.

Nach einem Tag in David zog uns die Sehnsucht nach Ruhe und etwas kühlerem Wetter schon wieder weiter in die Berge nach „El Valle“. Während der 6-stündigen Fahrt bekamen wir Einblicke in ein Land, in das mit dem Bau des Panamakanals auch die amerikanische Konsumkultur Einzug gehalten hat. Leider rollten wir nicht nur an unzähligen riesigen Einkaufscentern vorbei, sondern auch an Müll, der einfach aus dem Autofenster am Straßenrand landet. Während sich die Plastikflaschen parallel zur Straße sammeln, verfangen sich die Plastiksackerl in Zäunen und bedecken halbe Felder, auf denen die Kühe grasen…


El Valle begrüßte uns mit einer angenehmen Brise und fast ausschließlich deutschsprachigen Gästen im Hostel. Nachdem wir in der Bäckerei Sauerteigbrot und Apfelstrudel erstanden hatten und bei einem Spaziergang einen Blick auf das Gaital erhaschen konnten, war der heimatliche Nachmittag komplett. Am nächsten Tag stand eine Wanderung auf die „schlafende Indianerin“ auf dem Programm. Wir arbeiteten uns vom Rücken bis zum Kopf vor uns genossen dabei beste Ausblicke in den ehemaligen Vulkankrater! Danach warteten noch die Petroglyphen: Riesige Felsen auf denen 8000 Jahre alte Zeichnungen zu sehen sind. Am Ende des Ausfluges präsentierte sich der Wasserfall „El Chorro Macho“ von einer dem Namen eher weniger entsprechenden Seite und plätscherte unscheinbar über ein paar Steine.


Am nächsten Tag machten wir uns mit den Schweizern Corinne und David auf ins Mariposario, wo wir (leider nicht wirklich erfolgreich) versuchten, die großen „Blue Morphos“ vor die Linse zu bekommen. Dafür posierten die anderen Schmetterlinge auf Blättern, Köpfen und Schultern und zusätzlich bekamen wir noch einen wissenswerten Vortrag über die verschiedenen Lebenszyklen dieser Tiere.

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Zu Mittag hieß es wieder Abschied nehmen vom ruhigen Dorfleben, da es gemeinsam mit Corinne und David Richtung Panama City ging. Der Busfahrer, der eindeutig eine bessere Beziehung zum Gaspedal als zur Bremse hatte, brachte uns überraschenderweise heil in die Großstadt, deren Skyline schon von Weitem sichtbar war. Auch das große Hafengelände und die Dauerpräsenz von Containern zeigte unweigerlich eine von Panamas größten Einnahmequellen: Den Panamakanal. Die Busfahrt zum Hostel brachte uns ins Bankenviertel, das etliche Hochhäuser beheimatet, die sicherlich noch Stoff für eine Trilogie der Panama papers liefern.

Am Abend nutzten wir das westliche Feeling von Panama City, die mit keiner anderen südamerikanische Stadt zu vergleichen ist und gönnten uns indisches Essen bevor wir uns mit Plakatpapier und Buntstiften ausstatteten. Da wir nämlich am nächsten Tag unseren Besuch vom Flughafen adäquat abholen wollten, legten wir am Abend noch eine Malstunde ein. 🙂




Surfing tales, Part II: Wellen und österreichische Verstärkung in Pavones

Da hatten wir es fast nach Panama geschafft und schon wieder schlug der Surfvirus zu! Hier in Pavones, kurz bevor die Straße endet und einen nur mehr ein Marsch durch den Dschungel von Panama trennt, gehen die Uhren nach Ebbe und Flut und onshore und offshore Wind. Der Rio Claro beendet hier seinen Weg durchs Land und schlängelt sich um eine Sandbank bevor er das Meer mit Wasser speist. Mit Betreten dieses Dorfes, das zwei Stunden Busfahrt vom nächsten Bankomaten entfernt ist, scheint man in eine andere Welt einzutauchen: Eine Welt fernab von Straßenlärm, Hektik, Zeitdruck, Stress und Verantwortung. In dieser süßlich riechenden Hippiekommune liegt alles einen Steinwurf voneinander entfernt und wer sich so glücklich schätzen darf, dass er hier (kurzzeitig) wohnt, ist entweder hier geboren oder wegen der Welle gekommen. Die Welle: Ein Berg aus salzigem warmen Wasser, der sich langsam aufbäumt, um dann an der gleiche Stelle immer und immer wieder nach vorne zu brechen und mit seiner Kraft aus weißer Gischt Kinder und Erwachsene, die wieder zu welchen geworden sind auf ihren Brettern bis zum Strand befördert.

So sind auch wir wegen der (ehemals) längsten bekannten linksbrechenden Welle ins kleine Dörfchen gepilgert, um wieder einmal länger als geplant zu bleiben. 🙂 Direkt bei unserer Ankunft schien es aber eher so, als würden wir keine einzige Nacht in Pavones verbringen können, die extrem guten Bedingungen hatten nämlich so viele Surfer angezogen, dass es fast kein freies Zimmer mehr gab. Schlussendlich kamen wir aber dann doch die ersten zwei Nächte in einem äußert netten Gästehaus am Anfang der Straße unter. Danach zogen wir näher Richtung Meer ins Casa Olas, das sich eher als „Casa Austria“ entpuppte, da Kristin aus Oberösterreich hier als Freiwillige arbeitete und sich nach kürzester Zeit als ausgezeichnete Pavones-WG Mitbewohnerin herausstellte. Wir stellten schnell fest, dass offene Küchen, große Esstische und gemeinsames Kochen offenbar unweigerlich mit Surfhostels verknüpft sind und so befürchteten wir schon früh, dass die Weiterreise nach Panama noch ein Weilchen warten muss… 🙂



Am ersten Tag entschieden wir uns nach einer kurzen Wellenbeobachtung allerdings erstmal die Surfbretter stehen zu lassen. Obwohl wir es nicht gerne zugeben, aber 4-5 Meter hohe Wellen, und eine Meute, die mit Brettern die einem grade mal bis zum Hals reichen und Surferfahrung von etwas mehr als nur zwei Jahren ausgestattet war, liegen (noch) nicht ganz in unserem Level. Naja, ganz ohne Wellenreiten wollten wir den Ort nun auch wieder nicht verlassen und so machten wir uns Tag drauf auf zur „Baby-Bay“, welche adäquatere Bedingungen zu bieten hatte. Dort holten wir uns entweder blaue Flecken, duck-dive Erfahrung oder ein gemütliches Pläuschchen mit Kristin, dafür aber eher weniger (bzw. recht kurzen) Fuß-Brett Kontakt… Also mussten wir wohl oder übel raus aus dem Kinderpool und rein ins Sportbecken. Glücklicherweise nahm nach ein paar Tagen der „swell“ und damit auch die Gästeanzahl in Pavones ab und so saßen wir bald dort, wo ab 5.30 Uhr hart gepaddelt und schnell gesurft wird – auf der Pavoneswelle.


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Brachte die allabendlich Lagebesprechung mit den Themen „tide“, „onshore wind“ und „swell direction“ hervor, dass eine earlybird Session angesetzt wurde, läuteten unsere Wecker noch vor Sonnenaufgang. Im Aufwachen fragte man sich manchmal ob man grade noch träumte, oder ob wirklich draußen schon über die „high tide“ geredet wurde. Meistens war letzteres der Fall und so packten Kristin und wir unsere Surfbretter und marschierten in der Dämmerung runter zu den anderen Surfern, die ebenfalls die Idee hatten, vor allen anderen unten zu sein. 🙂 Mit aufgehender Sonne erledigten wir unseren Morgensport und genossen danach ein umso größeres Frühstück, auf das (öfter ausgedehnte) Nap-Einheiten folgten. Dafür nahmen wir uns die im Hostel lebende Katze zum Vorbild, die am einem Tag wahrscheinlich mehr REM-Phasen durchlebte, als alle Gäste zusammen.

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Abends liefen wir zu kulinarischer Höchstform auf: Die Entdeckung des Tico-Käse (an dieser Stelle nochmal Danke an Alex!) mischte die Reis/Nudeln-Gemüsesauce Eintönigkeit auf und beim riesigen Red Snapper, der frisch vom Fischerboot kam lief uns schon das Wasser beim Zubereiten im Mund zusammen. Eine kanadische Mehlspende brachte uns allabendliche Pancake-Freuden und unser Ökoherz schlug jedesmal höher, wenn der Schokomann vorbeiradelte, um uns mit handgemachter Bioschoko und Kakaobohnen versorgte. Waren die hungrigen Bäuche wieder gefüllt (und hatten wir einen vierten Mitspieler gefunden), kam der Doppelkopf-Teil des Tages. Leider teilte manchmal niemand unsere (etwas fordernde) Leidenschaft und so gaben wir zwar anderen Kartenspielen eine Chance, trauerten schlussendlich aber doch noch Doppelkopf nach..

Die Unwissenheit, dass Sonne nicht nur Haut, sondern auch Lippen und Augen verbrennen kann, führte leider zu schmerzlichen Erfahrungen. Während Thomas versuchte mit Virostatika seine Unterlippe vor einer feindlichen Übernahme durch Herpes zu schützen, äußerten sich Kathis Folgeschäden in einer Photokeratitis, die sie für ein paar Tage an ihre Sonnenbrille kettete. Auch nachdem die „I wear my sunglasses at night“ Zeiten vorbei waren, florierte der Pflegeprodukte/Medikamenten-Handel zwischen Kristins und unserem Zimmer. In der Not werden eben nicht nur die Mango gegen Wassermelone getauscht, sondern auch Bepanthen gegen Haarpflegeöl.

Auch wenn uns surfen, jonglieren, Kartenspielen und Sonne tanken sehr gut bei Laune hält, freuen wir uns schon auf Panama! Mal schauen, wann Kristin den Malerpinsel zur Seite legt und weiterzieht – vielleicht schaffen wir es dann auch diese Oase der Abgeschiedenheit zu verlassen. 🙂