Vier Landratten auf einem Segeltörn durchs Paradies – über die San Blas Inseln nach Kolumbien

Nach vier Wochen Erkundungstour durch Panama machten wir uns am 15. April wieder auf nach Panama City, um dort unsere Reisegruppe wieder zu vergrößern. Nicht nur mit Kathi2, die auch dem Ruf des Surfbrettes in Las Lajas nicht wiederstehen konnte, gab es ein schönes Wiedersehen, sondern auch ein weiterer Besucher aus der Heimat war im Anflug! So machten wir uns wieder einmal auf zum Flughafen, wo diesmal Björn freudig in Empfang genommen wurde. 🙂 Auch für ihn galt erstmal Pulli und Jacke ausziehen, bevor es in die Hitze der Stadt ging.

Für Björn gab es keine Schonfrist und so starteten wir am nächsten Tag zu viert direkt in Richtung Abenteuer Segeltörn. Ganz im Sinne von slow travel extreme planten wir noch einen Stopp im Dschungel, kurz vor Eintritt ins autonome Gebiet der Kuna Yala, nahe dem aus einer Kreuzung bestehendem Ort „El Llano“. Schon die Chickenbusse, die in diese Richtung fuhren, gaben uns einen guten Vorgeschmack auf das bevorstehende Erlebnis auf der herausgesuchten „Eco Lodge“. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens auf eine Mitfahrgelegenheit, nahmen uns glücklicherweise die Besitzer für die letzten, steil bergauf gehenden, 11 Kilometer mit. Während beide Kathis im Inneren des Wagens mitfahren durften, mussten die Männer auf der Ladefläche bei nicht wirklich angepasstem Fahrstil zittern. Erstaunlicherweise kamen wir alle heil am Ziel an, wo sich unsere, im Auto entstande Vermutung, das „Eco“ wiedermal für das Abschwören des Putzens steht, bestätigte. Die Tierwelt schien das überaus zu freuen, denn Riesenspinnen, -falter, -frösche und jegliches andere große und kleine Getier fühlte sich hier pudelwohl. Aber auch die Lebewesen auf zwei Beinen, von denen viele dort mehrere Wochen verbrachten, störte das Fett am Ofen, das eine geschätzte Verweildauer von 3 Jahren hatte, offensichtlich nicht sonderlich. Am Abend wurde, wie es in einer Kommune natürlich üblich ist, gemeinsam gekocht und danach die Stimmungslage beeinflusst. Ein Tag, der sich wie eine Seite im Roman „Drop city“ in unseren Reisetagebüchern liest, ging in unserer Cabaña mit Blick auf den Dschungel beim Packen unserer Rucksäcke für vier Tage Schiffsleben zu Ende.

Am nächsten Tag ging es mit der nächsten abenteuerlichen Jeep-Fahrt weiter: Die kurvenreiche Rennstrecke führte uns durch den Checkpoint für die autonome Region Kuna Yala und weiter bis zum Hafen von Carti. Dort begrüßte uns der karibische Regen und machte die zuvor gekauften Müllsäcke aka Regencover für unsere Rucksäcke bezahlt. Wir verließen den festen Boden unter unseren Füßen und wurden mit einem kleinen Boot zu unserer Unterkunft, der African Queen, für die nächsten vier Tage gebracht. Kapitän Rudi und seine Crew, bestehend aus seiner Partnerin Jamile und Daniel, dessen Jungfernfahrt auch noch bevorstand, hießen uns willkommen an Board, zeigten uns die Kojen und erklärten uns die do’s and don’ts des Seemannslebens. In den Hängematten hatten es sich schon unsere Mitreisenden, die wir liebevoll Tick, Trick und Track nannen bequem gemacht. Mit 10 Mann an Board hieß es also „Leinen los!“ und los ging es in die Wellen des Archipels von San Blas. Von den 365 Inseln, die manchmal in ein paar Schritten umrundet werden können, sind nur ein paar bewohnt. Dafür ist die Besiedlungsdichte dort dann ziemlich erdrückend… Wir steuerten als erstes eine kleine unbewohnte Insel an, deren Palmengruppen direkt aus dem Hollywood Studio kamen! Völlig perplex von der Einsamkeit, dem kristallklaren Wasser, dem weißen Sand und der wunderschönen Natur, bewunderten wir zuerst sprachlos die Szenerie bevor wir ins Wasser sprangen, um es uns danach auf dem weißen Sand bequem zu machen.


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Mit dem Erklingen des Muschlhorns lockte uns Rudi wieder an Board, wo wir fantastisches Essen serviert bekamen. Danach wurde der Anker wieder eingeholt und die nächste Insel angesteuert. Auch wenn sich hier das Mittagsprogramm wiederholte wurde es definitiv nicht langweilig. Mit jeder Stunde, die die Sonne weiter auf die andere Seite der Erde wanderte, wurden Rudis weinerfüllte Lacher lauter und die Stimmung ausgelassener. Unsere abendlichen Angelversuche entpuppten sich leider als weniger erfolgreich… Zwei Fische landeten jedoch trotzdem am Haken und wurden sogleich, unter schallendem Gelächter, mit einem Schluck Abuelo Rum ins Jenseits befördert. Da in Entenhausen offensichtlich eher weniger in (soziale) Bildung investiert wurde, blieben die horizonterweiternden Gespräche zwar unter uns, dafür wurde uns aber genug Gesprächsstoff geliefert. Zur Nacht begaben wir uns in unsere Kojen bzw. aufs Außendeck und wurden von den Wellen in den Schlaf geschaukelt.

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Von der Sonne geweckt, die Palmen und das Meer im Blick, starteten wir mit einem ausgedehnten Frühstück in den Tag. Ganz ohne Abenteuer sollten wir unseren Übernachtungsplatz dann nicht verlassen, denn als nächster Punkt stand für Kathi2 „Überraschendes Schwimmen mit Meeresbewohnern“ auf dem Plan. Aus Elternschutzgründen können Details dazu aber nur bei Kathi2 erfragt werden… Mit ein bisschen mehr Respekt vor dem Meer und dem Wissen, dass Rudis Geschichten doch einen höheren Wahrheitsgehalt als angenommen haben, schipperten wir weiter zu einem Riff, das wunderschöne Korallen beherbergte. Durch die Schnorchelbrille wurden aber auch Riffhaie und bunte Fische gesichtet. Am Abend zog dann leider ein heftiges tropisches Gewitter auf, dass uns alle unter Deck zwang und uns vor den himmelerleuchtenden Blitzen und dem ohrenbetäubenden Donner erschaudern ließ. Der nächste Morgen präsentierte uns dafür eine spiegelglatte See, als hätte es nie auch nur einen Windhauch gegeben.

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So vergingen unsere Tage wie im Fluge! Wenn uns die Seekrankheit nicht gerade dazu zwang mit geschlossenen Augen flach am Deck zu liegen, träumte wir in der Hängematte von Robinson Crusoe und vom Leben im Paradies, in dem einem Kokosnüsse und Langusten direkt von Fischern in den traditionellen Einbaumbooten an Deck gebracht werden. Dass dieses Paradies auch seine Schattenseiten hat, lernten wir beim Besuch eines Kuna-Dorfes kennen. Wenn Tourismus bei indigenen Völkern eher das Gefühl eines Zoobesuches vermittelt, wird einem wieder bewusst, dass man mit jedem Fußstapfen, den man auf neues Land setzt, auch eine Veränderung und damit Verantwortung mitbringt. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf betrachteten wir die interessante Lebenswelt der Kuna als möglichst stille Beobachter.

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Unsere Reise in Panama und auf der African Queen endete in Puerto Obaldia, wo wir in einem kleinen Verschlag an der Hauptstraße des winzigen Ortes unsere Ausreisestempel holten, bevor wir uns von Rudi, Jamile und Daniel verabschiedeten und mit einem Motorboot die letzten 20 Minuten zum kleinen kolumbianischen Örtchen Capurgana zurück legten. Ganz froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, suchten wir uns ein kleines Hostel und stellten uns in die lange Schlange vor der Einreisebehörde. Da vor uns Leute standen, die auf Grund von ständigen Stromausfällen schon den dritten Tag auf einen Stempel hofften, wurden wir glücklich überrascht, als wir kurz vor Sonnenuntergang​ dann doch noch legal im Lande waren. Bei einer leuchtend schönen Abendstimmung stießen wir auf einen gelungen Segeltörn und eine schöne Zeit in Panama an.


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