Von großen Wandertouren, schönen Stränden und faszinierenden Tauchgängen: Santa Fe und Santa Catalina

Zum ‚Oh wie schön ist Panama‘ Programm gehörte natürlich auch ein Besuch im Regenwald und somit in den höheren Lagen des Landes. Deshalb wackelte uns der Bus zum Drehkreuz der Region, Santiago, dessen hektischem Busbahnhof wir gerne wieder den Rücken kehrten und uns weiter nach Santa Fe bringen ließen. Nach vier Busfahrten waren wir froh im kleinen Bergdorf, das uns mit einer angenehmen frischen Brise und mit einem Hund der uns bis zum Hostel brachte, begrüßte. In dem wunderschönen Garten, der uns alle – trotz unterschiedlicher Verwandtschaftslinien – an Omas Garten erinnerte, fiel jegliche Anspannung der langen Fahrt ab: Wir lauschten dem Vogelgezwitscher, ließen unseren Blick über den Regenwald schweifen und spürten den angenehmen kühlen Wind in den Haaren. Zum Abendessen lernten wir, dass die wichtigste Zutat in der panamanischen Küche wohl Frittierfett ist. Auf dem Teller mit lokalen Spezialitäten lag nämlich vom frittierten Fleisch über frittierte Kochbanane zu frittiertem Brot, alles was man sonst noch so ins Öl werfen kann. Naja, zumindest freute sich unser neuer treuer Hund über die Knochen. 🙂

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Da sich Thomas etwas kränklich fühlte, wollten wir uns mit einer kleinen Wanderung durch die Umgebung von Santa Fe und einem anschließenden Besuch bei einer Bio-Finca für den ersten Tag nicht zu viel zumuten. Schnell wurde auch klar, dass wir unserem Hund einen Namen geben musste, da er uns von Anfang an den ganzen Weg begleitete. Warum wir ihn „Werner Faymann“ nannten, bleibt unser kleines Geheimnis, aber soviel sei gesagt: Wir entschieden nach dem Charakter… 🙂 Die Wanderung verlief durch wunderschöne Dörfchen, deren Straßen mit Orangenbäume, Chillisträuchern und Bananenpalmen gesäumt waren. Dazu beeindruckte ein Ausblick in Wälder, die sich mit ihren unzähligen Grüntönen sanft und gleichzeitig gewaltig groß durch die Landschaft zogen. Während wir eher Angst vor Schlangen hatten, konnte Werner erst nach einem psychologisch-pädagogischen Konzept von Kathi2 und Thomas seine Angst vor Hängebrücken besiegen und so marschierten wir zu viert fröhlich weiter vorbei an einer Dorfkirche mit vier Kirchenbänken und Upcycling-Deko und palmenbedeckten Berghütten.

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Bei Maria und Chongs Bio-Finca begrüßte uns die Hausherrin gleich mit einem leckeren Essen, gemacht aus den Produkten, die auf ihrem Feld wuchsen bzw. herumliefen… Glücklicherweise wusste Maria ihre Beilagen auch ohne Frittierfett zuzubereiten, die dadurch umso besser schmeckten! Nachdem die leeren Bäuche gefüllt waren (Werner erfreute sich wieder einmal an den Knochen) zeigte uns Maria ihren Orchideengarten in dem sie, ohne den Begriff wahrscheinlich je gehört zu haben, das „zero waste“ Prinzip durch und durch verfolgte. Ihre, teilweise preisgekrönten Pflanzen wuchsen nämlich nicht nur in Töpfen, sondern auch im Toaster, Sparschwein, Rucksack, Flipflop und Tierschädel. Nebenbei erklärte sie uns auch, warum sie keine Chemikalien mehr im Garten verwendet und wie die Bauern in Santa Fe die starke Kooperative mit dem schönen Namen „La Esperanza de los Campesinos“ (Die Hoffnung der Bauern) gründeten. Zum Schluss gab es noch eine Kaffeetour, bei der sie uns zeigte wie man von der roten Kaffeefrucht zur wohlschmeckenden Kaffeebohne gelangt und uns ihren hausgerösteten Kaffee zur Verkostung reichte. Mit einem Päckchen Kaffee und und Bananenmarmelade machten wir uns mit Werner auf den Heimweg und packten für den nächsten Wandertag.

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Nachdem wir das Basislevel bezüglich Wanderungen in Santa Fe absolviert hatten, wollten wir den Nationalpark erkunden und entschieden uns für eine Tour zu dem Wasserfall „La Isleta“. Da Thomas noch nicht ganz fit und die Tour für acht Stunden angesetzt war, machte er sich einen entspannten Tag im Hostel, während Kathi1+2 mit  dem Guide Cesar aufbrachen. Auch Sebastian, der im gleichen Hostel wohnte, entschied sich spontan mitzugehen und so marschierten wir um 7:30 Uhr los, ausgestattet mit viel Wasser und – „zur Sicherheit, falls mal ein Ast im Weg ist“ – einer Machete. Schon nach kurzer Zeit führte uns Cesar hinter einem Bauernhäuschen mit trittsicheren Schritten einen etwas matschigen Pfad hinunter, welchen wir elegant nach unten rutschten und dabei noch irgendwie versuchten, unsere Schuhe nicht allzu dreckig zu machen. Trotz aller Mühe mussten wir dann doch schnell kleinbei geben, als wir merkten, dass der „muddy path“ zur Gänze aus – teilweise knöchelhohem – Schlamm bestand und so stapften wir mit dem schönen Geräusch, den ein Schuh sowohl beim Eintauchen wie auch Herausgezogen werden macht, durch den mystischen Regenwald. Glücklicherweise erkannte Cesar schnell unser Potential mit einem gekonnten move auf dem Hinterteil zu landen und schnitze so gleich äußert stabile (unentbehrliche) Wanderstecken für uns. Auch der Einsatz der Machete ließ nicht lange auf sich warten, denn bald versperrte uns der erste umgefallene Baum den Weg. Aber natürlich war Cesar dieser Herausforderung auch gewachsen und schlug uns mit ein paar gekonnten Hieben einen Durchgang. Die Matschstrecke verlangte uns zwar schon einiges ab, trotzdem verließ uns – vor allem den weiblichen Part der Truppe – der Humor nicht und auch die Bewunderung über die Vielfalt an Grüntönen und Lebenswelten der Bauern faszinierte uns immer wieder aufs neue. Besonders das letzte Haus, das wir auf unserer Strecke sahen, zwei Stunden Fußweg von der nächsten befahrbaren Straße und mit trocknenden Kaffeebohnen vor dem Eingang, versetzte uns in Staunen. Nach vier Stunden erwartete uns natürlich keine Mittagspause sondern der Start in den Crocodile Dundee Part des Tages: Die erste Flussüberquerung stand bevor. Da wir vor dem Start gefragt worden waren, ob wir zwecks trockenen Füßen Gummistiefel dabei hätten, beinhaltete unser Bild des Flusses eine Flusshöhe unter Gummistiefelhöhe. Die Realität glich aber eher dem Ende des Nichtschwimmerbereiches und so zogen wir nicht nur Schuhe, sondern auch Hosen aus und versuchten der Strömung Standzuhalten und dabei nicht auf den eisglatten Steinen auszurutschen. Letzteres gelang nicht zu hundert Prozent und machte Thomas‘ Investition in einen wasserdichten Rucksack wiedereinmal zur Rettung von Kamera und Co. Mit blauen Flecken, nasser Unterwäsche und der Zeitangabe „noch eine Stunde“ gings weiter den Fluss entlang, denn einen „Weg“ gab es schon lange nicht mehr. So hantelten wir uns – immer wieder mit Sebastians Hilfe –  von Stein zu Stein, wateten von Ufer zu Ufer und standen schlussendlich vor einem völlig verwachsenen Stück im tiefsten Dschungel, das ohne den unermüdlichen Einsatzes von Cesar (mit ca. 1,50 Metern zwar der kleinste, aber gleichzeitig wohl härteste der Truppe) und seiner Machete unüberwindbar gewesen wäre. Und dann – nachdem wir schon gar nicht mehr dran geglaubt hatten – war er da: Der Wasserfall! Eine freudvolle Mitteilung an Kathi2 ob der langersehnten Sichtung der Zieles, endete für Kathi1 mit einem harten Fall auf einen Stein, sehr zur Mitleidenschaft von Steißbein und Hand. Letztere konnte bei der wohlverdienten Pause im Flusswasser zwar gut gekühlt werden, ließ aber vermuten, dass wir nicht nur blaue Flecken, sondern auch Prellungen mit nach Hause nehmen würden. Nach einer halben Stunde am Fluss, in der wir den gesamten Proviant verputzen und den kläglichen Versuch starteten unsere Socken und Schuhe zu trocknen, ging es wieder Richtung Santa Fe. Jeglicher Illusion und Vorsicht beraubt und allen Schmerzen zum Trotz kletterten wir schneller über die Steine, behiehlten Schuhe und Kleidung bei den Flussüberquerungen an und schlitterten gekonnt die Schlammpfade entlang, allem voran das Ziel „Zivilisation“! Während Kathi1s Schuh in den letzten Atemzügen lag, leuchtete auch für unsere Energiereserven das „Bitte tanken“ Schild. Kurz bevor wir endlich wieder befahrbare Straße betraten, trennten sich in einer schönen tiefen Gatschlacke Sohle und Schuh endgültig und sorgten den restlichen Weg für ein etwas ungleichmäßiges Gehgefühl. Nachdem wir noch gefühlte 100 Hügel überwunden hatten, lag es endlich vor uns: Unser Hostel! Sehr zur Belustigung/Verstörung der anderen Gäste brachen wir in glücklich-verzweifeltem Gelächter aus und lehnten uns völlig verausgabt auf unsere Wanderstecken aus Angst bei einmaligen Niedersetzen nie wieder aufstehen zu können. 🙂 Cesar verabschiedete sich von uns und zog leichtfüßig und unerschöpft von dannen, während wir direkt zur Dusche und anschließender Essensaufnahme schritten.

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Da die Batterien über Nacht noch nicht zur Gänze wieder aufgefüllt waren, entspannten wir noch einen Tag im wunderschönen Garten des Hostels und schlenderten durchs Dorf. Im kleinen Markt erstand Kathi2 noch einen echten Panamahut und war somit perfekt vorbereitet für unseren nächsten Stopp.

So ging es wieder nach Santiago, vorbei an hunderten Schülern, in ihren weißen Hemden und Blusen und blauen bzw. braunen Hosen und Röcken, und weiter nach Santa Catalina. Im letzten Minibus sang uns Robbie Williams mit „These are the days we won’t forget“, passend nicht nur für das was vor uns lag, sondern auch postwendend für die letzten paar Monate, in das kleine Örtchen am Meer. Um zu unserem Hostel zu kommen, mussten wir wiedereinmal durch einen Fluss. Da das natürlich kein Problem für uns darstellte, waren Gepäck und unsere ziemlich große Sammlung an „Essenssackerln“ schnell ans andere Ufer gehievt, wo uns das Paradies erwartete. Von unserer grünen Cabaña, vor der Reihenweise Mandelbäume und Kokosnusspalmen standen, war man, je nach Gezeit, zwischen 30 Sekunden und einer Minute im Meer. Natürlich hatte Santa Catalina auch wieder Wellen zu bieten, die das Surferherz höher schlagen ließen und so paddelte der unverletzte Teil der Reisetruppe schnell in die Spielwiese aus Wasser.

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Mit Sonnenaufgang gings entweder auf die Bretter oder mit Martin, einem der Beschäftigten des Hostels, auf einen kleinen Spaziergang durch den angrenzenden Wald. Dort spazierten wir vorbei an Pferden, Lebensbäumen oder solchen, die die Calabaza Frucht trugen vorbei, Richtung Fluss auf der Suche nach dem Königsfischer. Nach einer, für fast alle, erfolgreichen Sichtung des Vogels (und glücklicherweise nicht des Krokodils) gings zurück zum wohlverdienten Frühstück mit selbst „bezwungenen“ Kokosnüssen. Am Abend folgte Teil zwei des Kulinarikprogrammes: Gemeinsam mit unseren Nachbarn, die – sowie fast alle Touristen in Panama – aus Deutschland waren, rösteten wir selbst gepflückte Cashewnüsse im Lagerfeuer und verkosteten die nicht verkohlten anschließend. 🙂 Doch auch unsere Hauptmahlzeiten kreierten wir, selbst ohne Küche, ziemlich einfallsreich bzw. ließen uns im Dorf – nach teilweise aufwendigeren Flussüberquerungen – bestens mit Muscheln, Fisch und Oktupus bekochen.

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Als Highlight wartete auf uns zum Schluss auch noch eine Tauch- bzw. Schnorcheltour zum Nationalpark der Insel „Coiba“. Schon die Bootsfahrt führte uns vorbei an Inseln mit traumhaften einsamen Stränden. Während Kathi2 auf dem Pro-Tauchboot  anspruchsvollere Tauchspots ansteuerte, ging es für Thomas&Kathi1 erstmal zum Playa Coco, wo Thomas den Schnorchel aufsetzte und Kathi1 die Taucherjacke umlegte, um mit ihrer Tauchlehrerin drei essentielle Übungen für die nächsten drei Tauchgänge durchzugehen. Kurz darauf durfte auch sie eintauchen in eine faszinierende Welt, in der so viele Farben leuchten und die Tierwelt wie in einem lebendigen Kino an der Brille vorbeizieht, während man schwerelos im Wasser schwebt. Schildkröten, Riffhaie, Muränen, Kugelfische, Seesterne und große Fischschwärme waren dabei die Schauspieler des Tages. Während Thomas einen Adlerrochen sichtete, durfte Kathi2 mit Delfinen im Wasser auf Tuchfühlung gehen. Absolut begeistert berichteten wir von unseren Erlebnissen bei einer Mittagspause auf der Rangerstation von Coiba, bevor es zu unserem letzten Tauchgang und dann zurück aufs Festland ging. Als krönender Abschluss des Tages und unserer Zeit in Santa Catalina pfiff uns in der tiefstehenden Sonne nicht nur der Wind durch die Haare, sondern auch Delfine begleiteten uns hüpfend nachhause!

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