Oh Palmenbaum – Weihnachten auf Little Corn Island

Da waren wir nun auf Little Corn Island, ein regelrechtes Paradies! Auf Grund unserer eher beschwerlichen Reise konnten wir die Landschaft, die sich wie ein kitschiges PC-Hintergrundbild vor uns dar bot, gar nicht fassen. Nach einem Dornröschen-Schlaf kletterten wir am ersten Morgen aus unserem Baumhaus und genossen unser Frühstück unter dem Palmendach mit Meerblick. Als Aktivität für den restlichen Tag sollte Wäschewaschen, das auf einem Waschbrett schon mal zu einer stundenlangen, schweißtreibenden Aufgabe werden kann, und ein Spaziergang in die „Stadt“ reichen. Dort deckten wir uns mit Lebensmitteln für die restliche Woche ein und übersahen mal wieder die Zeit, sodass wir erneut im Dunklen den matschigen Dschungelweg ans Nordufer gehen mussten.

Auf Little Corn Island leben etwa 300 Menschen, die Insel kann man unter einer Stunde zu Fuß umrunden und es gibt keine Autos. Perfekte Bedingungen also, um eine Woche Ruhe zu genießen. In unserer wunderschönen Unterkunft bekam man die absolute Tiefenentspannung (oder für manch andere vielleicht den Lagerkoller) gratis mit dazu. Fernab von elektrischem Strom (die kleine Solaranlage, die in eine Handvoll Glühbirnen und Steckdosen im gesamten Areal versorgte ausgenommen) und befestigten Wegen wohnten wir am naturbelassensten und schönsten Strand der Insel inmitten des Dschungels. Gekocht wurde auf offenem Feuer, geduscht unter einer Palme und die Aussicht von der Toilette war Reisekatalog-reif! Wir mussten zwar erst ein bisschen reinkommen in das Leben, in dem Tageslicht noch eine bedeutende Rolle spielt, aber bald hatten wir den Dreh raus und brauchten keine 2 Stunden mehr um Nudeln zu kochen. 🙂

Zu unseren Nachbarn gehörten unter anderem Martha und Matthias (die schon bei der Bootsüberfahrt ab El Bluff mit dabei waren) aus der Schweiz und Johannes und Johanna aus Deutschland, mit denen wir superschöne Tage verbrachten. In der Früh trafen wir uns in der Küche, wo ganz gendergerecht die Frauen Gemüse schnippelten, während die Männer Feuer machten. Da uns das karibische Flair schon eingenommen hatte, empfanden wir diese Aufgaben dann doch meistens als anstrengend genug, um uns den restlichen Tag mit einem Buch in der Hängematte zu belohnen bzw. während des täglichen Regenschauers unters Palmendach zu flüchten. Kam ein ungewohnt hohes Maß an Aktivitäts-Bedürfnis durch, spazierten wir um die Insel und holten uns Kokosnuss-Brot oder Platano-Teigtaschen. Glücklicherweise konnten wir Lebensmitteln wie Bananen, Kokosnüsse oder Fische quasi direkt vor der Haustür pflücken, aufsammeln bzw. frisch gefangen kaufen und hatten somit jeden Abend das beste Essen in den Pfannen. Am Abend zog man sich die Stirnlampe auf den Kopf und wanderte vorbei an Hunden, Hühnern, Riesenkrabben und Spinnen ins Outdoor-Badezimmer, bevor man unters Mückennetz krabbelte, um den Wellen und dem Wind beim Einschlafen zu lauschen.


Obwohl am 24.12. der Himmel ziemlich bedeckt war und uns nicht die Sonne auf den Bauch schien, kam zwar nicht unbedingt Weihnachtsstimmung auf, aber trotzdem genossen wir den Tag am Strand! Da leider sowohl Martha und Matthias, als auch Johannes und Johanna direkt vor Weihnachten wieder aufbrachen und Valentina und Stefan aus Wien, die am 23.12. heimatliche Gefühle in unserer Unterkunft aufkommen ließen, krank wurden, genoßen wir unser Weihnachtsessen zu zweit. Nach einer wunderbaren Fischlasagne ließen wir den Abend mit unseren netten Gastgebern bei (kaltem) Punsch ausklingen.

Am Christtag verließen wir das Paradies wieder Richtung Festland. Zu Mittag brachte uns das – diesmal große – Versorgungsschiff „Isleño D“ nach Big Corn Island, wo wir eigentlich um 20 Uhr weiter nach El Bluff fahren wollten. Um die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken, folgten wir den beiden Steirern Vera und Ludwig, die wir am Schiff kennen gelernt hatten, ins Hostel, wo wir es uns auf der Veranda gemütlich machten. Während die wohlig warmen Betten in den Zimmern warteten, erschien es uns mit jeder Minute abwegiger bei nicht aufhören wollendem Regen in der Dunkelheit wieder zum Hafen zurück zu marschieren, um dort wieder einmal eine ungemütliche Nacht auf einem Schiff zu verbringen. Als Vera dann auch noch richtige selbstgemachte Weihnachtskekse aus Österreich auspackte, war es um uns geschehen und wir bezogen kurzerhand auch ein Zimmer. Die Entscheidung fühlte sich auf der weichen Matratze besonders gut an! 🙂 Den Abend verbrachten wir zu viert im improvisierten Gastgarten des Comedors um die Ecke, um uns – so wie am nächsten Morgen – bei Reis und Bohnen bestens zu unterhalten.

Während Vera und Ludwig am Stefanietag vor dem Dauerregen auf Corn Island Richtung sonnigem Festland flohen, genossen wir das Karibik-Feeling noch ein bisschen länger. Die Insel kann mit einer Asphaltstraße und Autos sowie eindeutig mehr Authentizität der Inselbewohner als ihre kleine Schwester aufwarten. Glücklicherweise hörte auch noch der Regen auf, sodass wir unsere letzten zwei Tage hier hoffentlich im Sonnenschein verbringen können. Das nächste Schiff zum Festland fährt am Donnerstag und bis dahin genießen wir noch die ausgeprägte Kulinarik auf der Insel.

Vom nördlichem Bergland in die Karibik: Ein harter, langer Weg…

​Unser Outdoor Erlebnis auf dem Vulkan gefiel uns so gut, dass wir beschlossen einen Abstecher in den Norden Nicaraguas zu machen, um dort einen Canyon zu durchwandern. Also kehrten wir den Städten den Rücken zu und machten uns von León auf nach Somoto. Mit jedem Meter, den sich der Chicken Bus weiter ins Hochland kämpfte, wurde das Wetter dem Monat Dezember angemessener und so brauchten wir am Ende gar unsere Pullover und langen Hosen. Dass die Bevölkerung hier von der Arbeit in der Landwirtschaft, vor allem dem Kaffeeanbau, lebt, konnte man schon im Bus erkennen: Der BMI der, in erster Linie weiblichen Einheimischen sank wieder unter Adipositas-Werte, während sich die Cowboyhut- und Gummistiefeldichte drastisch erhöhte. Außerdem waren wir wieder einmal von der Freundlichkeit, Sicherheit und Ruhe, die in diesem Gebiet herrschen, beeindruckt! Am Ende des Tages waren wir in unserer Unterkunft direkt beim Canyon und somit nur ein paar Kilometer von der Grenze zu Honduras angekommen. Familiäre Gefühle verschaffte Thomas nicht nur die Tatsache, dass wir in einer cabaña bei einer Großfamilie untergekommen waren, sondern auch dass hier auch eine Kielerin wohnte 🙂 Den Abend verbrachten wir mit unseren äußert netten Gastgebern Henry und Brian, die uns nicht nur Interessantes aus der nicaraguanischen Politik und Kultur, sondern auch alles über die geplante Canyon-Tour erzählten.

Am nächsten Tag freuten wir uns auf ein schönens Canyoning bei Sonnenschein im Rio Coco. Leider hatten wir aber nicht nur viel norddeutsches Blut in Somoto, sondern auch ebendieses Wetter: Nieselregen und Kälte… Schon im Zimmer fühlten wir uns in Bikini und Badehose nicht unbedingt so, als hätten wir bekleidungsmäßig die richtige Entscheidung für diesen Tag getroffen. Naja, rein in die Schwimmweste und die bereitgestellten Asics- bzw. Brooksschuhe und los gings mit unserem Guide Noel Richtung Fluss. Die anfängliche Wanderung hielt uns zwar noch warm, dieses Gefühl verflog aber schnell mit den ersten Schwimmeinheiten. Obwohl wir schnell mit Gänsehaut und blauen Lippen kämpften, entschädigte die wunderschöne Landschaft die ganze Zitterpartie. Außerdem hatten wir durch das suboptimale Wetter den Canyon fast ganz für uns alleine! Noel war stets darum bemüht uns den Tag so schön wie möglich zu gestalten und zeigte uns die besten (bis zu 20 Meter hohen) Punkte für Sprünge ins Wasser. Nach fünf Stunden wärmten wir uns beim Rückweg wieder auf, bevor es zuhause erneut unter die eiskalte Dusche ging. Gut, dass wir in unseren Rucksäcken auch Skiunterwäsche verstaut haben, die verschonte uns in diesem Fall wohl vor einer Erkältung.

Am nächsten Tag ging es wieder Richtung Süden in die Stadt Estelí, wo wir in unserem Hostel gleich die beste Sehenswürdigkeit entdeckten: Eine heiße Dusche! Nach 5 Wochen kaltem Duschen und einem dann doch etwas ausgeprägterem Canyon-Schnupfen war das das Highlight des Tages. 🙂 Leider hatten die anderen (und einzigen zwei) Sehenswürdigkeiten geschlossen. So genossen wir unsere drei Tage mit Stadtspaziergängen, bei denen wir uns die vielen „Mauer-Malereien“, für die Estelí bekannt ist, und wieder einmal eine Zigarrenfabrik anschauten. Außerdem planten wir unsere Weiterreise auf Little Corn Island, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Da wir keine 160$ für einen Flug dorthin zahlen wollten und generell sehr ungern fliegen, wählten wir die Option mit einem Cargo-Schiff auf die Corn Islands zu kommen. Die Auskünfte über die Abfahrtszeiten dieser Schiffe sind jedoch derart unterschiedlich, dass wir die geplante Abfahrt am Samstag Abend eher als Glücksspiel betrachteten.

Für unsere Reise zur Karibikinsel Little Corn machten wir uns am Freitag erstmal nach Juigalpa auf, um dort einen Zwischenstopp einzulegen. Also verließen wir den ruhigen Norden und waren bei unserer ersten Umstiegsstelle in Tipitapa (kein Scherz!) wieder im quirligen Lateinamerika angekommen. Dass eine Fahrt mit dem Chicken Bus meistens der mit dem 13A um 17 Uhr gleicht (für alle Nicht-Wiener: Ein völlig überfüllter Bus) ist mittlerweile schon selbstverständlich. Sobald der Bus aber stehen bleibt, schafft es mindestens ein Dutzend Straßenverkäufer durch den komplett vollgestopften Gang, um mit ihren über die Jahre geschulten Stimmen Snacks und Getränke an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Danach kann man noch allerlei sonstige, für eine Busfahrt sehr wichtigen Dinge, wie Kopfhörer, Haargummis, Uhren, Geldbörsen, CDs, etc. erwerben oder sein Handy-Guthaben aufladen lassen. Wenn es irgendwann auch die beleibteste Verkäuferin wieder hinaus geschafft hat, setzt sich der Bus in Bewegung. Jetzt übertönen nur noch die Geschichten der Bettler die 90er Jahre- oder Latino-Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt, bis zu allerletzt jemand, der seine Pillen mit Vitaminen bzw. Stoffen gegen Parasiten verkaufen will, die Bühne betritt. Und an der nächsten Haltestelle geht alles von vorne los… 🙂 Nach einigen Stunden erreichten wir die hügelige Stadt Juigalpa, wo wir uns gleich in ein Stadt bekanntes „Restaurant“ aufmachten, in dem anscheinend auch der Präsident ganz gerne einkehrt. Wir waren zwar nicht so begeistert, kamen aber gut gesättigt zurück zum Hauptplatz, den gerade hunderte Stare bevölkerten.

Am nächsten Tag ging es los auf die große Fahrt! Als erstes fuhren wir mit dem Bus durch Regen und Sonnenschein, vorbei an vielen kleinen Dörfern nach El Rama. Dabei wurden nicht nur Menschen von A nach B gebracht, sondern auch Lieferungen aller Art in Windeseile von den Ajudantes mit geheimnisvollen Zeichen auf- und abgeladen. Manchmal ist ja auch der Weg das Ziel und diese Fahrt war definitiv großes Realitäts-Kino. In El Rama angekommen, mussten wir uns zwar wieder einmal lange durchfragen, aber schlussendlich erfuhren wird, dass unser Plan, am Abend mit dem Schiff weiter zu reisen, aufgehen würde. Glücklich warteten wir am Hafen, bis wir um ca. 19 Uhr zum Schiff hinunter gehen konnten. Thomas hatte davor schon einen Blick auf das Gefährt erhascht und war ob der Größe etwas skeptisch. Als wir aber beide vor diesem etwas größeren Fischerboot, das sowohl an Deck, wie auch am „Dach“ voll beladen war, standen, wurde uns ein bisschen mulmig… Dass sich außerdem vier große Rinder darauf befanden, machte das Gefühl nicht besser. Während die Einheimischen sich die besten Plätze auf Holzplatten und Zwiebelsäcken schnappten, betraten wir etwas verunsichert das Boot mit dem Namen „Genesis VI“ und fragten uns in unseren europäisch-verwöhnten Gedanke, wo denn jetzt wohl unsere Plätze wären. Thomas ergatterte einen Platz auf den Holzstämmen und Kathi mietete sich eine Hängematte, welche vom Kapitän schnell mit ein paar Knoten am Gestänge des Daches festgemacht wurde. Leider hielt der eine davon aber nicht und Kathi und ihr eben gewonnenes Vertrauen segelten aus nicht unbeträchtlicher Höhe zu Boden. Unverletzt brauchte sie dann doch ein bisschen, bis sie sich wieder in die Hängematte legte, die diesmal eine Stunde halten sollte, bevor sie in der Mitte durch riss und zu einem endgültigen Ablehnen dieser Schlafgelegenheit führte. Währenddessen machte Thomas eine Begegnung mit einem Skorpion auf den Holzstämmen und so endeten wir auf einem Kübel Malerfarbe bzw. daneben auf dem Boden für die restliche Nacht. Da vier Rinder noch nicht genug waren, wurden in El Rama auch noch drei riesige Schweine auf tierquälerischste Weise aufs Boot gezerrt/getreten. Und so schipperten wir den Rio Escondido nachts entlang während uns die Sitzposition, die todesängstlichen Schreie der Schweine, der Güllegeruch und die Angst vor dem Skorpion jegliche Schlaf raubte. Nach 10 Stunden erreichten wir „El Bluff“, den letzten Ort an der Küste bevor es aufs offene Meer ging. Anscheinend hatte das Boot dem Kapitän nach noch einiges an Kapazität und so wurde ein riesiges Benzinfass und ca. 10 weitere Leute eingeladen. Völlig übermüdet überlegten wir während dem zwei stündigen Aufenthalt kurz die Genesis VI zu verlassen, verwarfen den Gedanken dann aber wieder. Kathi warf noch schnell eine Tablette gegen Reisekrankheit ein und nach dem Anlegen der Schwimmwesten starteten wir los in die Wellen der Karibik. Da der Kapitän das Schiff wirklich verantwortungsbewusst lenkte, fiel ein bisschen unserer Anspannung ab und obwohl die ersten sich bald anfingen zu übergeben, ging es uns noch verhältnismäßig gut. Eine Stunde später sah die Welt jedoch ein bisschen anders aus, denn auch Kathi sollte sich ab diesem Zeitpunkt für die restliche Fahrt eine gute Handvoll Male dem bald nicht mehr vorhanden Mageninhalt entledigen. Fast acht unendlich scheinende Stunden schaukelten wir zu Big Corn Island und dank Thomas‘ großartiger Fürsorge erreichten wir beide unverletzt das Ufer der Insel. Beim Verlassen der Genesis VI fiel uns ein Felsbrocken vom Herzen und vom Magen! Dass wir danach noch eine 30-minütige halsbrecherische Fahrt mit dem Motorboot nach Little Corn Island und eine ebenso lange Wanderung in der Dunkelheit durch den Wald vor uns hatten, erschien uns vergleichsweise einfach. Nach 32 Stunden auf den Beinen erreichten wir schließlich unsere Unterkunft und fielen nach einer Dusche und einem Essen hundemüde ins Bett.

Natürlich wieder Vulkane und – „Quien causa tanta alegria?“ – selbstverständlich Maria!

​Unser nächstes Ziel war die Universitätsstadt León. Mittels Microbus fuhren wir zuerst Richtung Managua, wo wir am UCA Busbahnhof umsteigen mussten. Der Ajudante sorgte mit dem Ansagen der Haltestelle (Manaua, Manaua, uuukaaa, uuukaaa) für auf der Straße wartende Leute auch fast die ganze Stunde dafür, dass wir das nicht vergaßen. Von Managua gings weiter mit dem nächsten Microbus nach Leon, wo wir am hektischen Busbahnhof erstmal schnell Richtung Stadt wollten. Nach ein paar Minuten Marsch, wollten wir der Hitze entgehen und nahmen uns ein Rad-Taxi. Da dieses aber nach 200 Metern einen Platten hatte, gings doch wieder zu Fuß ins Hostel. Dort freuten wir uns aber sehr über die Hängematten und die nette Atmosphäre.

Bei einem kurzen Spaziergang durch die Stadt, sahen wir uns die Kathedrale – die größte Zentralamerikas – und die Vorbereitungen zum großen Festtag von „La Griteria“ an.

Der 7. Dezember begann bei uns wieder mal mit Spanischunterricht, der uns helfen sollte, das Gelernte ein bisschen zu festigen. Danach begaben wir uns ins Getümmel am Markt, wo pre-Weihnachtsstimmung herrschte, da anscheinend jeder noch Besorgungen für das große Fest am Abend machen musste. So kochten auch wir uns ein „festliches“ Mahl (Nudeln mit Tomatensoße) und machten uns auf zum Hauptplatz, wo schon hunderte Menschen auf den Beginn von „La Griteria“ und somit das Ende von „La Purisima“ warteten. Der Platz schien verwandelt zu einer erweiterten Kathedrale, wo die Leute der gerade stattfindenden Messe lauschten. Pünktlich um 18 Uhr rief der Pfarrer „Quien causa tanta alegria?“ (Wer verursacht so viel Freude?) ins Mikrofon und die Menschenmenge antwortete „La Conception de Maria!“. Danach folgte eine Darbietung von allem, was auf irgendeine Art Lärm erzeugen kann: Sirene, Glocken, Musik, Knaller, Feuerwerk und ein Pfarrer bzw. Fernsehmoderator mit Mikrofon. Ein bisschen zu viel des Guten, aber so feiert man anscheinend in Nicaragua… Dazu tanzten Figuren und auch die Quesillo- und Eisverkäufer stiegen mit ihren Klingeln ins Lärmorchester mit ein. Nachdem der Startschuss für die Feierlichkeiten gegeben war, bewegten sich vor allem die Jüngeren sehr schnellen Schrittes zu den Türen des Amtsgebäudes bzw. ans Ende der eeewigen Schlange (einmal um den ganzen Block) die sich um den Hauptplatz gebildet hatte. Der Grund: Für ein „Quien causa tanta alegria?“ gibt es überall in der Stadt Familien bzw. öffentliche Stellen, die mit einer Marienstatue im Rücken und einem „La Conception de Maria“ Geschenke verteilen – ein religiöses Halloween quasi. Da die öffentliche Hand bei dieser Gelegenheit fast einen ganzen Rucksack mit Süßigkeiten, Milch, Reis und Waschmittel füllt, stellen sich manche Leute schon zu Mittag dafür an. Entsprechend schlimm war dann um kurz nach 18 Uhr das Gedränge am Anfang, das selbst 10 Polizisten nicht in den Griff bekamen. Am Weg zum Hostel hörte man aus den Hauseingängen meist nur mehr ein müdes „La virgen“ beim Überreichen der Geschenke. Sowohl Kinder und Erwachsene liefen aber noch immer fröhlich von Haus zu Haus, um ihre Rucksäcke bzw. Kannen zu füllen, während das anscheinend nie enden wollende Feuerwerk die Hintergrundmusik lieferte.

Am zweiten Tag in Leon genossen wir nach dem Sprachunterricht den Feiertag in der Hängematte bei Sonnenschein, Smoothie und Feuerwerk. Wahrscheinlich können die meisten Feuerwerk-Hersteller weltweit von La Purisima und La Griteria bzw. der Woche danach leben. Außerdem bereiteten wir unsere Rucksäcke für das nächste Abenteuer vor: Eine zweitägige Wanderung auf den Vulkan „El Hoyo“ inklusive Vulcanoboarding, die wir mit einem Frühstück im Büro der Quetzaltrekkers starteten. Gestärkt füllten wir unsere Rucksäcke mit je 8 Litern Wasser, Schlafsack, Isomatte und Zelt bzw. Essen. Wie schwer sich 15kg am Rücken dann doch anfühlen wurde uns erst später bewusst… Zuerst ging es nämlich im Truck zum Vulcanoboarding. Dafür mussten wir nur unseren Schutzanzug und das „Sandboard“ auf den Gipfel des aktiven Vulkans Cerro Negro schleppen. Das lockere Vulkangestein, sowie die 100 prozentige Sonneneinstrahlung machten den Aufstieg zwar nicht unbedingt einfach, aber der schöne Ausblick auf die Cordillera de los Maribios war jeden Schweißtropfen wert. Oben angekommen grub jeder eine bisschen in die Erde und konnte sich dank der immer stärkeren Hitzeentwicklung vergewissern, dass wir auf einem aktiven Vulkan waren. Danach schmissen wir uns in die attraktiven Schutzanzüge inklusive Brillen und Handschuhe und stellten uns an den Anfangspunkt. Vor allem Kathi wurde hier ein bisschen anders. Die Steilheit entsprach nämlich eher eine dunkelschwarzen Piste in den heimischen Bergen und als wirkliche Profi Sandboarder konnten wir uns schließlich nicht bezeichnen… Dank der guten Einführung durch unsere Guides ließ sich die Geschwindigkeit dann aber bestens regeln und so hatten wir beide unseren Spaß beim hinunter sausen. 🙂

Unten angekommen waren wir glücklich und vor allem voller Sand! Da es dieser selbst durch Sportschuhe und -socken geschafft hatte, wäre das Schönste eine Dusche gewesen. Tja, die gab es für die nächsten 30 Stunden nicht. Stattdessen hieß es 15kg Rucksack schultern und erstmal eine Stunde steil bergauf. Wenigstens spendete der Wald guten Schatten und durchs Ausgleichen des Wasserverlustes verlor der Rucksack schon mal ein Kilo. Nachdem der Aufstieg geschafft war, schmeckte das Mittagessen umso besser und die nächsten drei Stunden Wanderung in der Ebene fielen uns auch nicht mehr schwer. Mit einem grandiosen Ausblick belohnt, bauten wir unsere Zelte auf einem erloschenen Vulkankrater auf und genossen die Abendstimmung. Kurz vor Sonnenuntergang machte sich die lustige Truppe, bestehend aus zehn Erstbesteigern und drei Guides auf zum namensgebenden „Hoyo“: Ein riesiges Loch am Kraterrand. Danach marschierten wir an einer Vulkangas-Quelle vorbei zurück zum Campingplatz, wo wir uns den beeindruckenden Sonnenuntergang ansahen. Ein gutes Essen und das Zusammensitzen am Lagerfeuer beendeten diesen wunderschönen Tag. Der nächste sollte ebenso bildschön mit einem Sonnenaufgang anfangen! Das Frühstück stärkte uns für die nächsten Stunden bergab, bergauf und durch überkopf-hohes Gebüsch. Ziemlich ausgelaugt kamen wir an eine Lagune, wo es jeder kaum erwarten konnte ins Wasser zu springen. 🙂 Wir fingen die letzten Momente der Ruhe ein, bevor wir uns wieder Richtung Autobahn begaben, wo uns nur noch zwei Busfahrten von León trennten. Erschöpft, aber überglücklich kamen wir im Quetzaltrekkers Büro an und verabschiedeten uns von unseren Mitwanderern, sowie den drei fantastischen Guides Kaeli, Miguel und Mathilda. So eine tolle Arbeit als Volontär zu leisten ist echt nicht selbstverständlich!

Wieder im Hostel angekommen gönnten wir uns eine ausgiebige Dusche und eine lange Nacht auf der angenehm weichen Matratze. 🙂

Vulkansee, Vulkanmagma und Vulkanausblick – Apoyo und Masaya

Von Granada aus machten wir uns auf zur Laguna de Apoyo: Ein entspannter Reisetag von 30 Minuten Reisezeit lag vor uns. Das Ziel entpuppte sich als paradiesisch schön! Unser Hostel lag direkt am sehr klaren, warmen und fast perfekt runden Vulkansee und der Strand sowie die Sonneninsel luden zum (Tiefen)entspannen ein. Da wir auf der Fahrt Denny und Inez, die quasi die gleiche Reiseroute wie wir haben, kennenlernten, konnten wir uns bei leckeren Smoothies über die Freuden und (sehr wenigen) Leiden des Backpacker-Lebens austauschen. Der Tag verging wie im Flug und während Denny und Inez am Nachmittag wieder ihren Rückweg nach Granada antraten, stellten wir beim Sonnenuntergang Spekulationen über den bevorstehenden Wahlsonntag in Österreich an.

Am nächsten Tag genossen wir die Sonne noch am Strand bzw. bei einer Meditation auf der Sonneninsel bevor es nach zweiwöchiger (krankheitsbedingter) Taxi-Verwendung wieder mit dem Chicken Bus weiter nach Masaya ging. Da wir unsere Reisegeschwindigkeit gerade auf super-langsam gestellt haben, waren wir wieder mal nach 30 Minuten am Ziel. Bei unserer Ankunft waren wir beeindruckt, wie wenig Gringo-Aufmerksamkeit uns zu Teil wurde. Es gab niemanden der uns eine Taxifahrt, ein Hostel oder sonst was andrehen wollte. Ob der neuen Entspannung entschieden wir uns die ca. 2km zum Hostel zu gehen. Dass wir mit unseren Rucksäcken durch die unendlich scheinenden Gänge des Marktes und die Mittagshitze mussten, machte den Weg doch etwas beschwerlicher. Nach einer kurzen Ruhepause in unserer bisher billigsten Unterkunft, nahmen wir die schwarzen Zahlen des Tagesbudgets als Anlass uns äußert leckere Batidos zu gönnen. Danach spazierten wir durch die wirklich saubere, sichere und freundliche Stadt Richtung Malecón, der Spaziermeile an der Laguna de Masaya. Dort stolperten wir zufällig in die Bike-Show eines Motorradclubs und genossen danach den Ausblick auf den aktiven Vulkan Masaya. Zum Abendessen gabs „Baho“, dessen sauerkrautartig schmeckendes Yucca und Rindfleisch heimatliche Gefühle aufkommen ließen.

Der nächste Tag sollte einer der spannendsten unserer bisherigen Reise werden. Nach dem obligatorischen Frühstücks-Gallo Pinto (Reis und Bohnen) nahmen wir uns ein Taxi zu der ehemaligen Festung bzw. Foltergefängnis Coyotepe. Oben angekommen, zahlten wir (etwas unsicher) das Eintrittsgeld an einen ca. 10-jährigen, der uns die Türen zu den unterirdischen Gängen aufsperrte. Eine anwesende nicaraguanische Familie fungierte gleich als Guide und lotste uns mit einer spärlich leuchtenden Taschenlampe nach unten ins Stockdunkle. Uns war etwas mulmig bei dem Gedanken, da diese Situation entweder mit dem Verlust von Geld und Kamera oder dem Gewinn einer außergewöhnlichen Begegnung enden würde. Um ersteren Ausgang zu verhindern, blieb Kathi nach einigen Metern stehen und wollte umdrehen. Als die 9-jährige Tochter der Familie sie aber quasi an die Hand nahm und ihr sagte, dass sie keine Angst haben muss, ließ auch Kathi sich auf das Abenteuer ein. Eine gute Entscheidung: Die äußert nette Familie führte uns durch den gesamten Untergrund und forderte mal wieder unsere Spanischkenntnisse heraus. Nachdem wir noch den Ausblick auf den Vulkan und die Stadt Masaya eingefangen hatten, spazierten wir wieder den Berg hinunter zur Autobahn. Interessanter Begegnungen noch nicht genug: Auf dem Weg trafen wir eine französische Familie mit drei Kindern, die mit ihrem Wohnwagen zwei Jahre durch Amerika unterwegs sind. Die haben bestimmt Geschichten zu erzählen…

Am Nachmittag gab es ein freudiges Wiedersehen mit Denny und Inez am Mercado de Artesanías. Da der Markt aber recht klein ist, spazierten wir zum riesigen Stadtmarkt, auf dem man sich zwischen Bettgestellen, Wassermelonen und Schweineköpfen schon mal verlaufen kann. Wir lernten die Frucht Guava kennen und tauchten ein in das geschäftige Marktleben, bis uns der Gestank wieder Richtung Hauptplatz trieb. Dort stärkten wir uns mit Baho und gönnten uns danach guten Kaffee/Tee und ECHTE Kuchen! 🙂

Mit Einbruch der Dunkelheit mieteten wir uns ein Taxi, das uns zum Krater des Vulkanes Masaya, in dem man flüssiges Magma sehen kann, bringen sollte. Wir steckten hohe Erwartungen in den Besuch, da man für maximal 15 Minuten auf der Aussichtsplattform 10$ Eintritt zahlt. Dass wir nicht die einzigen Besucher waren, merkten wir, als wir schon auf der Autobahn in der Schlange standen. Mit einer Truppe aus vier aufgeregten Abenteurern, einem belustigten Taxifahrer und einer selbst gerollten Zigarre wurde es jedoch nicht langweilig und irgendwann waren auch wir vorne angekommen und durften los „düsen“. Der 1. Gang brachte uns gerade noch so zum Krater, wo wir allerdings mit einem spektakulären Blick auf eine „Feuer-Wolke“ im Vulkan belohnt wurden. Als wir das brodelnde, gelb-rote, flüssiges Magma im Inneren erblickten waren wir endgültig sprachlos! Es hatte sich absolut gelohnt! Absolut begeistert traten wir wieder unsere Heimreise an und verabschiedeten Denny und Inez an der Bushaltestelle Richtung Granada. Den Abend ließen wir zur Blasmusik der täglichen La Purisima Parade mit vielmaligem Durchschauen der eben gemachten Fotos ausklingen.


Den letzten Tag in unserer neuen Lieblingsstadt Masaya verbrachten wir gemächlich mit Reiseplanung, spazierengehen und wieder einmal einem Arztbesuch. Diesmal war der Besuch beim otorrinolaringologo bzw. in diesem Fall einer otorrinolaringologa aber äußerst angenehm. Dra. Angela Patricia Fuentes Perez erklärte nicht nur alles bis ins Detail, sondern nahm sich auch extra viel Zeit um Kathis Ohr zu reinigen und ein (hoffentlich) letztes Mal Ohrentropfen zu verabreichen. Am Abend grüßte mal wieder die heilige Maria. Nach über einer Woche merkt man den Musikanten langsam an, dass der Elan nicht mehr ganz so vorhanden ist. Ich glaube, es freuen sich alle auf ein Ende der Feierlichkeiten am 7. Dezember.

La Purisima in Granada

Am letzten gemeinsamen Tag mit Freddy und Kerstin streiften wir ein bisschen durch die wunderschöne Stadt Granada und schauten uns die Zigarren-„Fabrik“ von Doña Elba an. Mit beeindruckender Fingerfertigkeit rollen und fertigen die Menschen dort ca. 400 Zigarren pro Tag per Hand. Auch wir durften selbst eine Zigarre rollen und konnten dabei unsere grundlegenden Spanischkenntnisse ein bisschen herausfordern.

Kathis Ohr ging es zwar besser, der Dolby-Surround Sound war jedoch noch nicht wiederhergestellt und die Schmerzen noch immer vorhanden. Glücklicherweise zeigte Kerstin, dass sie auch eine HNO-ärztliche Seite an sich hat und konnte Kathi durch professionelle Ohrenpflege wieder zum normalen Hörvermögen verhelfen. Den Abend feierten wir daraufhin mit bestem Essen und einer endlich für alle erholsamen Nacht.

Im Garden Cafe genossen wir das letzte gemeinsame Hipster-Frühstück und verabschiedeten danach Kerstin und Freddy Richtung Flughafen. 😦 Traurig verließen wir unser Kolonialzimmer und zogen in ein kleines, aber sehr feines Zimmer auf der anderen Seite des Hauptplatzes um. Für die nächste Woche wurde die schöne Hospedaje mit ihren äußert netten und hilfsbereiten Besitzern unser vorübergehendes Zuhause. Da wir nämlich endlich unsere Spanischkenntnisse auf Trab bringen wollten, entschlossen wir uns für eine Woche Sprachunterricht. Unsere Lehrerin Arlen forderte uns von Tag zu Tag aufs Neue und verhalf uns so dazu, endlich mehr als drei-Wort Sätze sprechen zu können.

Zwar merkte besonders Kathi, dass vier Stunden Unterricht plus Rekonvaleszenz ein erhöhtes Schlafbedürfnis forderten, aber zwischen den Ruhepausen lernten wir das schöne Granada richtig kennen. Unter anderem konnten wir bei einem Baseballspiel die Heimmannschaft (leider verlieren) sehen. Beeindruckend bei dem Spiel war nicht nur die Dauer von vier Stunden, sowie das Durchhaltevermögen der Stimme der „Quesillo“-Verkäuferin, sondern auch der Bauchumfang des einen oder anderen Spielers…

Unsere Nachmittage verbrachten wir mit Spaziergängen durch die Stadt, zum Markt und ins Fitnessstudio. Außerdem besichtigten wir die „Isletas“ von Granada. Diese 365 Mini-Inseln entstanden durch eine Eruption des Vulkans Mombacho und sind heute großteils privatisiert. Die Reichen des Landes (bzw. aus den USA, Canada und Frankreich) können hier eine Insel inklusive Villa ihr Eigentum nennen. Auch wenn der Sonnenuntergang bei der Rückfahrt über den riesigen Nicaraguasee wunderschön war, ein Leben auf so einer Villeninsel stellen wir uns eher vor wie im goldenen Käfig. Noch dazu wäre uns nicht ganz so wohl bei dem Gedanken, von Wasser, das Bullenhaie beheimatet, umgeben zu sein.

Zufälligerweise landeten wir genau zu „La Purisima“ in Granada. Bei diesem Fest, das größer als Weihnachten ist, wird zwischen 28.11. und 7.12. jeden Tag um ca. 18 Uhr eine Statue der heiligen Maria, begleitetet von einer großen Parade, durch die Straßen getragen. Zusätzlich wird (leider schon ab 6 Uhr morgens) mit Feuerwerken und Krachern gefeiert. Man hat das Gefühl, dass die Statue und der hinterher gezogene Generatorwagen von Tag zu Tag größer werden. Beim Krankwagen, der das ganze Spektakel begleitet, wurde hingegen eher gespart… Man merkt auch hier, dass Weihnachten im Anmarsch ist. Allerdings wird die Adventszeit weniger besinnlich, als mit schrillen Lichtern und Plastikbäumen angekündigt. Wir sind schon gespannt, wie La Purisima in Masaya und Leon gefeiert wird. Dorthin brechen wir nämlich morgen auf.