Oh Palmenbaum – Weihnachten auf Little Corn Island

Da waren wir nun auf Little Corn Island, ein regelrechtes Paradies! Auf Grund unserer eher beschwerlichen Reise konnten wir die Landschaft, die sich wie ein kitschiges PC-Hintergrundbild vor uns dar bot, gar nicht fassen. Nach einem Dornröschen-Schlaf kletterten wir am ersten Morgen aus unserem Baumhaus und genossen unser Frühstück unter dem Palmendach mit Meerblick. Als Aktivität für den restlichen Tag sollte Wäschewaschen, das auf einem Waschbrett schon mal zu einer stundenlangen, schweißtreibenden Aufgabe werden kann, und ein Spaziergang in die „Stadt“ reichen. Dort deckten wir uns mit Lebensmitteln für die restliche Woche ein und übersahen mal wieder die Zeit, sodass wir erneut im Dunklen den matschigen Dschungelweg ans Nordufer gehen mussten.

Auf Little Corn Island leben etwa 300 Menschen, die Insel kann man unter einer Stunde zu Fuß umrunden und es gibt keine Autos. Perfekte Bedingungen also, um eine Woche Ruhe zu genießen. In unserer wunderschönen Unterkunft bekam man die absolute Tiefenentspannung (oder für manch andere vielleicht den Lagerkoller) gratis mit dazu. Fernab von elektrischem Strom (die kleine Solaranlage, die in eine Handvoll Glühbirnen und Steckdosen im gesamten Areal versorgte ausgenommen) und befestigten Wegen wohnten wir am naturbelassensten und schönsten Strand der Insel inmitten des Dschungels. Gekocht wurde auf offenem Feuer, geduscht unter einer Palme und die Aussicht von der Toilette war Reisekatalog-reif! Wir mussten zwar erst ein bisschen reinkommen in das Leben, in dem Tageslicht noch eine bedeutende Rolle spielt, aber bald hatten wir den Dreh raus und brauchten keine 2 Stunden mehr um Nudeln zu kochen. 🙂

Zu unseren Nachbarn gehörten unter anderem Martha und Matthias (die schon bei der Bootsüberfahrt ab El Bluff mit dabei waren) aus der Schweiz und Johannes und Johanna aus Deutschland, mit denen wir superschöne Tage verbrachten. In der Früh trafen wir uns in der Küche, wo ganz gendergerecht die Frauen Gemüse schnippelten, während die Männer Feuer machten. Da uns das karibische Flair schon eingenommen hatte, empfanden wir diese Aufgaben dann doch meistens als anstrengend genug, um uns den restlichen Tag mit einem Buch in der Hängematte zu belohnen bzw. während des täglichen Regenschauers unters Palmendach zu flüchten. Kam ein ungewohnt hohes Maß an Aktivitäts-Bedürfnis durch, spazierten wir um die Insel und holten uns Kokosnuss-Brot oder Platano-Teigtaschen. Glücklicherweise konnten wir Lebensmitteln wie Bananen, Kokosnüsse oder Fische quasi direkt vor der Haustür pflücken, aufsammeln bzw. frisch gefangen kaufen und hatten somit jeden Abend das beste Essen in den Pfannen. Am Abend zog man sich die Stirnlampe auf den Kopf und wanderte vorbei an Hunden, Hühnern, Riesenkrabben und Spinnen ins Outdoor-Badezimmer, bevor man unters Mückennetz krabbelte, um den Wellen und dem Wind beim Einschlafen zu lauschen.


Obwohl am 24.12. der Himmel ziemlich bedeckt war und uns nicht die Sonne auf den Bauch schien, kam zwar nicht unbedingt Weihnachtsstimmung auf, aber trotzdem genossen wir den Tag am Strand! Da leider sowohl Martha und Matthias, als auch Johannes und Johanna direkt vor Weihnachten wieder aufbrachen und Valentina und Stefan aus Wien, die am 23.12. heimatliche Gefühle in unserer Unterkunft aufkommen ließen, krank wurden, genoßen wir unser Weihnachtsessen zu zweit. Nach einer wunderbaren Fischlasagne ließen wir den Abend mit unseren netten Gastgebern bei (kaltem) Punsch ausklingen.

Am Christtag verließen wir das Paradies wieder Richtung Festland. Zu Mittag brachte uns das – diesmal große – Versorgungsschiff „Isleño D“ nach Big Corn Island, wo wir eigentlich um 20 Uhr weiter nach El Bluff fahren wollten. Um die Zeit bis zur Abfahrt zu überbrücken, folgten wir den beiden Steirern Vera und Ludwig, die wir am Schiff kennen gelernt hatten, ins Hostel, wo wir es uns auf der Veranda gemütlich machten. Während die wohlig warmen Betten in den Zimmern warteten, erschien es uns mit jeder Minute abwegiger bei nicht aufhören wollendem Regen in der Dunkelheit wieder zum Hafen zurück zu marschieren, um dort wieder einmal eine ungemütliche Nacht auf einem Schiff zu verbringen. Als Vera dann auch noch richtige selbstgemachte Weihnachtskekse aus Österreich auspackte, war es um uns geschehen und wir bezogen kurzerhand auch ein Zimmer. Die Entscheidung fühlte sich auf der weichen Matratze besonders gut an! 🙂 Den Abend verbrachten wir zu viert im improvisierten Gastgarten des Comedors um die Ecke, um uns – so wie am nächsten Morgen – bei Reis und Bohnen bestens zu unterhalten.

Während Vera und Ludwig am Stefanietag vor dem Dauerregen auf Corn Island Richtung sonnigem Festland flohen, genossen wir das Karibik-Feeling noch ein bisschen länger. Die Insel kann mit einer Asphaltstraße und Autos sowie eindeutig mehr Authentizität der Inselbewohner als ihre kleine Schwester aufwarten. Glücklicherweise hörte auch noch der Regen auf, sodass wir unsere letzten zwei Tage hier hoffentlich im Sonnenschein verbringen können. Das nächste Schiff zum Festland fährt am Donnerstag und bis dahin genießen wir noch die ausgeprägte Kulinarik auf der Insel.

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