Survivaltraining im Dschungelcamp von Ometepe: Ohrentzündung, Schürfwunden und eine Vulkanbesteigung

In Popoyo behielten wir unseren Urlaubsstil bei: Je nach Wellenvorhersage gabs morgens oder mittags eine erste Surf-/Strandeinheit, wobei die Mittagseinheiten leider am Abend dann meist die doppelte Zeit an Pflege des Sonnenbrandes forderten… Danach machten wir es uns am Strand bequem und sprangen nach einer Lesepause oft wieder auf die Bretter. Vor Sonnenuntergang galt es über den Fluss, den wir vormittags bei Ebbe überquerten, zu kommen. Die Flut verwandelte das Rinnsal nämlich schnell in einen zwei Meter tiefen Fluss, der ohne Surfboard und nicht wasserdichtem Gut in der Strandtasche eine ziemliche Herausforderung werden konnte. Abends wurden in den Hängematten auf der Dachterasse hochphilosophische Gedanken gesponnen und ausgetauscht.

Am letzten Tag unseres Surfurlaubes merkte Kathi die ersten Anzeichen eines Mitbringsels aus dem Meer: Ohrenschmerzen, die sich trotz „Zwiebelsäckchens“ derart verstärkten, dass sie zu einer schlaflosen Nacht führten. Schmerzmittel sei Dank konnten wir am nächsten Tag gemeinsam unsere Fahrt nach Ometepe antreten. Außerdem kümmerten sich Thomas, Kerstin und Freddy äußert fürsorglich und packen Kathis gesamtes Gepäck auf die Schultern. Leider trug die 8-stündige Reise mit zwei Chicken Bussen, einer Fährüberfahrt, einem Taxi und schlussendlich einem 15-minütigem Fußmarsch durch den Dschungel im Stockdunklen nicht unbedingt zur Besserung bei. Dass wir im Dschungelcamp (offene Strohhütten mitten im Dschungel, „Na pinkeln tust du einfach hinterm nächsten Busch„, Fußmarsch zur open-air „Dusche“) von Ometepe gelandet waren, war das I-Tüpfelchen auf der Überanstrengung. Schüttelfrost und Fieber bei Kathi führten zu härteren Maßnahmen seitens des Ärzteteams bestehend aus Thomas, Kerstin und Freddy. Glücklicherweise zeigte das Antibiotikum und Thomas‘ fürsorglich Pflege schnelle Wirkung. Kerstin und Freddy stärkten sich währenddessen im Restaurant, wo ihnen die Unauthentizität dieser Backpacker-Blase ziemlich ungut auffiel. Die folgende Nacht kostete nicht nur Kathi die gesamte Entspannung, die wir in den letzten Tagen gewonnen hatten: Kerstin und Freddy mussten in der Hängematte mit notdürftig errichtetem Moskitonetz (wir waren mitten im Dschungel…) schlafen, während Thomas von Sorgen und ständigen Schmerzmittelanfragen gequält wurde.

Folglich zogen wir am nächsten Morgen ohne Umschweife um. Wir freuten uns sehr über das gemauerte Gebäude und das indoor Badezimmer inklusive nicht-Natur WC. Die Beschreibung „wunderschön“ war in dieser Situation noch treffend. Der Tag brachte Erholung und schnelles Zubettgehen, da die Dunkelheit nämlich nicht nur mit einer Milliarde Mücken, sondern auch mit der Anwesenheit des sehr suspekten und angsteinflößenden Wachhundes, der fast bis zu unserer Zimmertür kam, anrückte.

Kathis Ibuprofen Verbrauch schnellte in der Nacht zwar wieder in die Höhe, es zeigte sich aber trotzdem eine Besserung gegenüber dem Dschungelcamp. Am nächsten Tag mieteten sich Thomas, Kerstin und Freddy einen Scooter um die Südseite der Insel Ometepe zu erkunden. Dabei fuhren sie durch schöne Naturgebiete, entlang an Buchten zum Nicaraguasee, während vor allem Pferde und Hunde als Verkehrsteilnehmer galten. Inzwischen beobachtete Kathi wie sämtliche fliegenden und kriechenden Tier-Bewohner durch den Spalt zwischen Mauer und Wellblechdach im Zimmer aus- und eingingen. Spinnen, Heuschrecken, Käfer, Mücken und Fliegen jeglicher Größe wurden nur durch das Moskitonetz davon abgehalten ihr neuer Bett-Nachbar zu werden. Am Nachmittag kam der Rest der Reisegruppe – nicht ganz unverletzt – von der Umrundung der Insel nach Hause. Eine Schotterstraße wurde den Mädels zum Verhängnis und bescherte ihnen Schürfwunden und blaue Flecken. Mit einer 75-prozentigen Versehrtenrate bekam die Medikamententasche endlich einmal höchste Priorität im Rucksack: Zovirax, Wundauflagen, Bepanthen Creme, Leukoplast, Desinfektionsspray, Ibuprofen, Ohrentropfen und Antibiotika standen am Plan. Zusätzlich machte uns die extrem große Anzahl an Mücken zu schaffen. Es waren zwar glücklicherweise keine Stechmücken, aber wenn man konstant durch einen „Vorhang“ dieser Tiere geht und sie reihenweise auf jeglichen Einrichtungsgegenständen sterben, macht das einem auch ziemlich zu schaffen.

Am letzten Tag auf Ometepe stand eine Besteigung des Vulkanes Maderas auf dem Plan. Neun Stunden wanderten Freddy, Kerstin und Thomas durch den Dschungel und wurden leider erst in der letzten Stunde mit einem Ausblick auf den Vulkan Conception belohnt. Auf dem Weg gab es Brüllaffen und Riesenschmetterlinge, jedoch glücklicherweise nicht die ansässigen Schlangen zu sehen, sowie ein gewisses Jurassic-Park Feeling beim Anblick der Natur: Alles in allem ein lohnenswerter aber anstrengender Ausflug. Das Abendessen war der krönende Abschluss unseres nicht ganz gelungenen Ausfluges nach Ometepe: Die „Pasta Verdura“ bestand aus ungesalzenen Nudeln und rohem Gemüse. Wir wussten nicht mehr, ob uns zum Heulen oder Lachen zumute war… Weil letzteres schöner ist, entschieden wir uns dafür, flohen bald vor dem Wachhund und freuten uns, dass wir am nächsten Tag nach Granada fahren durften.

Da Kathis Ohrenschmerzen sie noch immer ziemlich mitnahmen, entschieden wir uns für die bequeme Reisevariante mit dem Taxi. Schnell waren wir in Granada und schon beim Anblick unseres Zimmers kamen unsere Lebensgeister zurück. 🙂 Ein riesiges Kolonialzimmer mit fünf Meter hoher Decke und ohne Mückenplage machte alle Wehwehchen schlagartig besser. Der wunderschöne Innenhof mit Pool trug ebenfalls dazu bei. Trotzdem stand noch ein Besuch beim „otorrinolaringologo“ für Kathi an. In Dr. Roberto Blandinos Praxis (deren Hygiene wohl unter dem Badezimmer-Standard der meisten europäischen Hausfrauen und -männern lag) wurde eine Entzündung des äußerste Gehörganges festgestellt. Obwohl der Arzt kompetent erschien, war Kathi nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass er ihr eine Spritze mit einem entzündungshemmendem Stoff verabreichen würde. Naja, ein Abenteuer der anderen Art in Nicaragua. Da die Ärzte hier eher zu den heftigen Medikamenten greifen (das Mittel wird anscheinend bei Transplantationen und schwersten Asthmaanfällen eingesetzt) wirkte es schnell und gut. Den Abend konnten wir deshalb endlich wieder zusammen in den Hängematten bei Melone und einer nicaraguanischen Zigarre verbringen. Morgen steht der letzte Reisetag mit Freddy und Kerstin an und Hurrikane Otto wartet vor der Küste Nicaragua – mal schauen was die Tage in Granada bringen.

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